Beherzter Griff zum Experiment
Der Zuschauer wohnt den Dreharbeiten eines Films mit dem Titel «Die drei Wünsche» bei. Das ist auch schon alles, was diese Oper mit dem alten Illusionstheater zu tun hat. Nach den «Dreharbeiten» darf man dann die «Weltpremiere» des Films miterleben, Stars und Sternchen inklusive. Der zweite Teil besteht im Wesentlichen aus einer handlungstragenden Filmsequenz: Martinu und sein Textdichter Georges Ribemont-Dessaignes gingen 1929 in Paris mit diesem Opernprojekt weit über die übliche Infragestellung des bürgerlichen Theaters hinaus.
Zwar sind aus dieser Zeit mehrere Opern mit Kinoeinsprengseln bekannt, doch erscheinen die Filmszenen in Milhauds «Christophe Colomb» oder Bergs «Lulu» im Vergleich zu Martinus Filmoper wie episches Theater für Anfänger. In «Die drei Wünsche» absorbieren die etwa viertelstündigen, musikuntermalten Sequenzen die Aufmerksamkeit der Protagonisten wie auch des Publikums so stark, dass die Filmvorführung zur realsten Ebene der Handlung wird – man kann die Mühlen der Gefühlsfabrik sozusagen in Echtzeit malen hören. So gewinnt der Zuschauer zu den anderen gespielten Szenen der Oper einen analytischen Abstand, um den Martinu wohl selbst von Bertold Brecht ...
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