Beherzter Griff zum Experiment

Rostock, Martinu: Die drei Wünsche

Opernwelt - Logo

Der Zuschauer wohnt den Dreharbeiten eines Films mit dem Titel «Die drei Wünsche» bei. Das ist auch schon alles, was diese Oper mit dem alten Illusionstheater zu tun hat. Nach den «Dreharbeiten» darf man dann die «Weltpremiere» des Films miterleben, Stars und Sternchen inklusive. Der zweite Teil besteht im Wesentlichen aus einer handlungstragenden Film­sequenz: Martinu und sein Textdichter Georges Ribemont-Dessaignes gingen 1929 in Paris mit diesem Opernprojekt weit über die übliche Infragestellung des bürgerlichen Theaters ­hinaus.

Zwar sind aus dieser Zeit mehrere Opern mit Kino­einsprengseln bekannt, doch erscheinen die Film­szenen in Milhauds «Christophe Colomb» oder Bergs «Lulu» im Vergleich zu Martinus Filmoper wie episches Theater für Anfänger. In «Die drei Wünsche» absorbieren die etwa viertelstündigen, musikuntermalten Sequenzen die Aufmerksamkeit der Protagonisten wie auch des Publikums so stark, dass die Filmvorführung zur realsten Ebene der Handlung wird – man kann die Mühlen der Gefühlsfabrik sozusagen in Echtzeit malen hören. So gewinnt der Zuschauer zu den anderen gespielten Szenen der Oper einen analytischen Abstand, um den Martinu wohl selbst von Bertold Brecht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2007
Rubrik: Panorama, Seite 50
von Matthias Nöther

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nicht Zauberoper, nicht Historiendrama

Stephan Braunfels ist von Haus aus Architekt, aus Leidenschaft Opernfan und von daher in Ausnahmefällen auch als Bühnenbildner aktiv. Sein Standpunkt: Nikolaus Lehnhoff ist unter allen lebenden Regisseuren der am klarsten Strukturierte. Einer, bei dem alles auf den Punkt gebracht wird und jede Bewegung logisch ist. Einer, der nichts dem Zufall überlässt oder einer...

Der lange Weg zum Selbst

 

Frau Dasch, welche Bedeutung hatten die Eltern für Ihre Liebe zur Musik?
Für meine Eltern war Musik zentral. Sie hatten sich übers Singen kennengelernt, spielten Instrumente und lebten uns vor, dass gemeinsames Musizieren, egal auf welchem Niveau, Spaß macht. Von Familienfesten bis zu Weihnachts­got­tes­diens­ten – es wurde keine Gelegenheit ausgelassen, ein...

Abgrund Mensch

Über dieser Premiere hingen dunkle Wolken. Intendant Albrecht Puhlmann und der ursprünglich vorgesehene Regisseur David Alden hatten sich bei Probenbeginn so zerstritten, dass Alden das Stück zurückgab. Puhlmann gelang es, Calixto Bieito zu gewinnen, der «Jenufa» noch nie inszeniert hatte, mehr oder weniger die Bühnenbild- und Kostümentwürfe seines Vorgängers...