Barockes Welttheater

Jordi Savall, Le Concert des Nations und ein exzellentes Solistenensemble revitalisieren Marin Marais’ «Alcione»

Als Gambenspieler Ludwigs XIV. stand Marin Marais fast ein halbes Jahrhundert im Zentrum der französischen Musik. Neben zahllosen Kompositionen für sein eigenes Instrument hat er auch vier Opern geschrieben, von denen «Alcione» (1706) die bedeutendste ist. Mit ihren heftigen emotionalen Kontrasten und ihrer differenzierten Figurenpsychologie schlägt sie die Brücke von Lully zu Rameau und wurde bis 1771 mehrfach nachgespielt.

Jordi Savall, der katalanische Gambist und Marais’ Entdecker in unserer Zeit, nahm  schon 1991 die «Alcione»-Suite auf: 2017 leitete er die erste Wiederaufführung des Werks an der Pariser Opéra Comique. Der Soundtrack dieser Inszenierung ist jetzt auf seinem eigenen Label Alia Vox erschienen.

Marais’ barockes Welttheater schildert die unglückliche Liebe zweier Gotteskinder und führt uns dabei durch Himmel und Hölle. Weil er selbst nach dem Thron giert, beschließt der Zauberer Phorbas, die Hochzeit von Alcione, der Tochter des Aeolus, mit Ceix, dem König von Trachis, zu verhindern und das Liebespaar zu vernichten. Ceix kommt im Seesturm um. Als Alcione den an Land gespülten Toten findet, begeht sie Selbstmord. Gott Neptun ist gerührt, verwandelt die Liebenden ...

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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: CD des Monats, Seite 43
von Uwe Schweikert

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