Editorial Juni 2021

Ja, man könnte ... Man könnte wütend werden angesichts der politischen Hilflosigkeit, die im einstigen Land der Dichter und Denker herrscht, insbesondere wenn man sieht, wie brüsk die Herrschenden den Wert von Kunst und Kultur von der Hand weisen, indem sie per Bundesverordnung die im Grundgesetz verankerte föderale Struktur aus den Angeln heben und Theater nach Belieben schließen. Aber nichts davon. Alle Klagen sind geführt, alle Lamenti gesungen. Also wenden wir uns lieber den schönen Dingen des Lebens zu. Und heben das Glas zum 200.

Geburtstag eines nicht ganz unbedeutenden Werkes – Carl Maria von Webers «Freischütz».

Mit dieser romantischen Oper wurde am 18. Juni 1821 das Schauspielhaus am Berliner Gendarmenmarkt (der seinerzeit wirklich einer der schönsten Plätze Europas war) eröffnet. So die offizielle Lesart. Die aber nicht ganz mit der historischen Wahrheit übereinstimmt. Denn obschon Weber immense Hoffnung hegte, sein Opus würde das erste sein, das in Karl Friedrich Schinkels grandiosem Neubau auf die Bühne gelangt, sorgten gleich mehrere ungünstige Umstände dafür, dass ihm das Jus primae Noctis vom Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe und dessen unwiderstehlicher ...

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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten

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