Bananentheater
Wir kennen die Geschichte, aber wir kennen sie nicht in dieser Gestalt, nicht mit diesen Ausbuchtungen, nicht in dieser Konsistenz. Es ist eine andere Geschichte, die hier erzählt wird: eine Geschichte, in der die beiden anderen Geschichten, die gewöhnlich nacheinander erzählt werden, zusammenfließen wie zwei breite Ströme. Mit anderen Worten: Calixto Bieito und sein Dramaturg Xavier Zuber haben die Zwillings-Verismo-Einakter «Cavalleria rusticana» und «I pagliacci» neu montiert und präsentieren an der Staatsoper Hannover beide Werke als ein Kammerspiel der Moderne.
Schon die Verortung des Geschehens führt uns aus der Atmosphäre des Mediterranen: kein Sizilien, kein Kalabrien nirgendwo. Die Bühne von Ariane Isabell Unfried und Rifail Ajdarpasic zeigt eine trostlose Grünanlage am Rande einer (imaginären) Stadt. Eine Blechbude links (später steht sie an der Rückwand), zwei, drei Rasengevierte, dazwischen Beton mit gelben Fahrbahnmarkierungen: letztlich ein zeit-, ort- und heimatloser Raum. Die Menschen darin, wen wundert es noch, sind sämtlich verlorene Seelen.
Und darin liegt das eine Problem der Inszenierung: Auf die Dauer langweilt die Monochromie des Vegetierens und Vagierens. ...
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Nicht weniger als zehn politische Wechsel hat Estland im 20. Jahrhundert erlebt. Keineswegs nur Regierungswechsel, sondern grundlegende Umstürze, Neuanfänge, feindliche Übernahmen, Selbstbehauptungsversuche. Kaum irgendwo in Europa drängte sich die Geschichte des letzten Jahrhunderts so massiv zusammen wie im Baltikum. Und die Oper spiegelt alles wider. Ab 1906...
Anselm ist Student. Natürlich, er muss Student sein, denn schon in der Romantik heißen die des Lebens nur halb Tüchtigen gern Anselm(us). Sein Lehrer Johann hat ihn beauftragt, aus dem Christophorus-Stoff ein Quartett zu schreiben; doch Anselm – auch darin ein Romantiker – bekommt das Sujet in der vorgegebenen Form nicht in den Griff und wählt lieber die Großform...
Die «Gräfin Mariza» hält manches Bonmot parat. Eines davon: «Denn deine Leidenschaft brennt heißer noch als Gulaschsaft». Wenden wir dies als Maßstab auf die Neueinspielung der «Csárdásfürstin» an, werden wir uns rasch wieder enttäuscht von ihr abwenden. Die Fürstin lahmt, ihr fehlt es an Witz, an Charme, an Koketterie. Altmeister Richard Bonynge bekommt das...
