Avanti, Signor Gaetano!
Selbst den alten Wagner hat es schon erwischt, wenn auch fast ein halbes Jahrhundert nach Nikolaus Harnoncourts Revolution in der Vorklassik: «Historisch informiert», diese (inhaltlich sehr dehnbare) Deutungspraxis, dringt immer weiter vor ins 19. Jahrhundert. Davon weitgehend unbeleckt, abgesehen von Vorstößen etwa eines Giovanni Antonini, ist der Belcanto. Vielleicht auch, weil die Orchester und Pultstars dieses Repertoire zuweilen auf die leichte Schulter nehmen und die Opernabende im gefälligen «Hum-ta-ta» abschnurren lassen.
Riccardo Frizza, längst mit Donizetti, Rossini und Bellini vertraut, und das 2017 gegründete Orchester Gli Originali machen sich nun auf zur neuen Klangerkundung samt Partitur-Durchlüftung. Das ist der eine Aspekt von «Signor Gaetano». Der andere, für viele wahrscheinlich wichtigere: Javier Camarena legt damit ein Donizetti-Album vor, das sich beherzt in Randzonen des Meisters vorwagt. Zu seiner tragischen Dogenoper «Marino Faliero» etwa, zum blutigen Eifersuchtsdrama «Maria de Rudenz» oder zur Moliere-Farce «Il giovedì grasso» – um Vokalfetischisten mit Hits aus «Don Pasquale» oder «L’elisir d’amore» zwischendurch Vertrautes zu gönnen. Dass sich ...
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Opernwelt Februar 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 20
von Markus Thiel
JUBILARE
Stuart Burrows kam am 7. Februar 1933 im walisischen Cilfynydd zur Welt. 1963 gab er sein Operndebüt als Ismail in Verdis «Nabucco» in Cardiff. Dort kamen die Rollen von Rodolfo («La bohème»), Macduff(«Macbeth»), Herzog («Rigoletto») und Ernesto («Don Pasquale») hinzu. Bald wechselte er ans Royal Opera House in London, wo er weitere große lyrische Partien...
Wann haben Sie zuletzt in der Oper geweint?
«Wotans Abschied» («Die Walküre»), Staatsoper Berlin im Schillertheater, 2011.
Wo würden Sie ein Opernhaus bauen?
Zunächst sollten wir die sagenhaften Theater (vor allem auch die Italiens) erhalten. Der Ort und die Eigenschaften rund um ein Opernhaus in meiner träumerischen Vorstellung wären: für jeden erschwinglich und...
Den Namen Charles Tournemire (1870–1939) noch nie gehört zu haben, ist keine Schande. Der langjährige Pariser Organist, Schüler des berühmten Charles-Marie Widor, ist einzig in Orgelkreisen durch die Werke für sein eigenes Instrument bekannt. Seine acht Symphonien werden so gut wie nie gespielt. Drei seiner vier Opern blieben bis heute unaufgeführt, darunter neben...
