Aus dem Trichter gefallen
Wäre doch schön gewesen. Ein «Tannhäuser» aus dem Geist des Tanzes. Einer, der die Brüche des Werks auflöst in Bewegung, den Venusberg in Körperlogik, die mittelalterlichen Wurzeln in ein modernes Darstellungsformat, die Dualismen in einen subjektkritischen Denkhorizont. Der Sängerkrieg als Performance-Kunst. Nach allem, was Sasha Waltz bisher gemacht hat, wäre das möglich gewesen. Eine Verheißung. Und, an sich, ein kluges Engagement. Doch Deutschlands erfolgreichste Choreografin bleibt der Welt einen «Tannhäuser» schuldig.
Zu sehen ist eine kreuzbrave Aufführung, die sich von – sagen wir – einer des seligen Wolfgang Wagner nur dadurch unterscheidet, dass eine 18-köpfige Tanztruppe um die Sänger herumhüpft und putzig den Text verdoppelt. Wenn im zweiten Akt von Lust die Rede ist, rubbeln die Tänzer den Tänzerinnen an den Brüsten. Wenn Tannhäuser sich zu Venus bekennt, putzen Frauen ihre Männer am Revers: Wie, du vielleicht auch? Der zweite Akt setzt die Holzrippenverkleidung des Schiller Theaters auf der Bühne fort: ein Society-Event der 50er-Jahre? Das TV-Ballett passt dazu, wobei spastische Zuckungen und gespielte Erschöpfung jegliche Personenführung ersetzen. Die Orgie des ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Stephan Mösch
Kein deutscher Komponist des 20. Jahrhunderts ist in den Konzertsälen und Opernhäusern so präsent wie Richard Strauss. Vom «Don Juan» bis zur «Alpensinfonie», von «Salome» bis zu «Capriccio» – die Popularität seines Œuvres ist ungebrochen. Selbst die frühen Arbeiten für die Bühne, «Guntram» und «Feuersnot», werden gelegentlich aufgeführt, ebenso die...
Wie soll man heute die fern gerückte Geschichte der Medea erzählen? Kindsmord durch die eigene Mutter findet heutzutage überwiegend in prekärem Milieu statt, als Ursachen für die Kindesmisshandlung mit Todesfolge werden zumeist Verwahrlosung und Überforderung ausgemacht. Also eher nicht jene rasende Rache aus Eifersucht, von der der antike Medea-Mythos erzählt....
Unter den großen Komponisten des 20. Jahrhunderts ist Richard Strauss der Umstrittenste, zumindest – seit Adornos brillanter Attacke in seinem Essay aus dem Jahre 1964 – in Deutschland. Von den Neuerscheinungen im Jubiläumsjahr ragen neben dem «Richard Strauss Handbuch», das Walter Werbeck im Metzler-Verlag ediert hat (siehe Seite 29), drei Titel heraus: eine...
