Aus dem Trichter gefallen
Wäre doch schön gewesen. Ein «Tannhäuser» aus dem Geist des Tanzes. Einer, der die Brüche des Werks auflöst in Bewegung, den Venusberg in Körperlogik, die mittelalterlichen Wurzeln in ein modernes Darstellungsformat, die Dualismen in einen subjektkritischen Denkhorizont. Der Sängerkrieg als Performance-Kunst. Nach allem, was Sasha Waltz bisher gemacht hat, wäre das möglich gewesen. Eine Verheißung. Und, an sich, ein kluges Engagement. Doch Deutschlands erfolgreichste Choreografin bleibt der Welt einen «Tannhäuser» schuldig.
Zu sehen ist eine kreuzbrave Aufführung, die sich von – sagen wir – einer des seligen Wolfgang Wagner nur dadurch unterscheidet, dass eine 18-köpfige Tanztruppe um die Sänger herumhüpft und putzig den Text verdoppelt. Wenn im zweiten Akt von Lust die Rede ist, rubbeln die Tänzer den Tänzerinnen an den Brüsten. Wenn Tannhäuser sich zu Venus bekennt, putzen Frauen ihre Männer am Revers: Wie, du vielleicht auch? Der zweite Akt setzt die Holzrippenverkleidung des Schiller Theaters auf der Bühne fort: ein Society-Event der 50er-Jahre? Das TV-Ballett passt dazu, wobei spastische Zuckungen und gespielte Erschöpfung jegliche Personenführung ersetzen. Die Orgie des ...
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Opernwelt Juni 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Stephan Mösch
Bernhard Lang ist nicht der Erste, der Arthur Schnitzlers «Reigen» auf die Opernbühne bringt. Aber seine Ästhetik der transformativen Wiederholung, mit dieser Überzeugung durfte man zur Uraufführung des Stücks bei den Schwetzinger Festspielen reisen, schien die idealen Voraussetzungen zu bieten, Schnitzlers Variationsdramaturgie des Immergleichen – zehn Figuren,...
Kunst gehört uns nicht. «Wir müssen sie immer wieder neu verdienen», sagt Serge Dorny. Draußen donnert es, als wollte der Himmel ein Ausrufezeichen setzen. Aber kein Gewitter naht; vielmehr rumoren einige Harleys am Café vorbei. Später sehen wir sie in der Nähe der Opéra abgestellt. Unter den Arkaden des Opernhauses, das dank des Architekten Jean Nouvel Gestern und...
Dresden, die Strauss-Stadt. «Feuersnot», «Elektra», «Salome», «Der Rosenkavalier» – sie alle sind hier uraufgeführt worden. Dirigiert von Ernst von Schuch, Strauss’ Leib- und Seelendirigent. Schuch hatte ein Haus zehn Kilometer abseits der Semperoper, in Radebeul, zwischen Weinbergen und Elbstrom. Gleich neben dem Gasthof Goldene Weintraube. Heute steht hier das...
