Aus dem Leben eines Taugenichts
In amerikanischen Opernhäusern geht es richtig streng zu. Man darf keine Kraftausdrücke benutzen, duldet kein sogenanntes «unangebrachtes Verhalten am Arbeitsplatz», sogar ob man Parfüm trägt, kann man nicht selbst entscheiden. Fluchen, Knutschen, Sprühen? Pustekuchen. Die ersten beiden Punkte regeln sich ganz von selbst, dafür sorgt schon die allgemeine Prüderie. Aber auch die Sache mit dem Duft wird drüben sehr ernst genommen. Da geht es in Europa entschieden freizügiger zu. Saftige Libretti. Jede Menge Sex auf der Bühne. Ein Sopran, der ausschließlich Parfüm trägt: Chanel Nr.
5 faustdick hinter den Ohren.
Manchmal wünsche ich mir aber doch, meine europäischen Kollegen wären in Sachen Hygiene ebenso streng. Wobei mich das Chanel-Modell weniger stört. Aber neulich musste ich mir meine Garderobe mit einem jungen Bariton teilen. Es war ein Sonntagmorgen und in seiner Welt offenbar noch zu früh zum Duschen. Vielleicht hatte er es auch einfach nicht mehr nach Hause geschafft. Er kam in einer Wolke Marke Eigenduft. Im Kern Testosteron, Schweiß in den Randnoten. Und als Krönung Fußnoten.
Ich verkniff mir jeden Kommentar (auch wenn ich sehr wohl hoffe, dass sich da draußen jetzt jemand ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Mal ehrlich..., Seite 77
von Christopher Gillett
Zwischen den Laken tummeln sich die Marschallin und ihr junger Geliebter Octavian. Unterm Nachthimmel, im Liebesglück. Dann bricht die Außenwelt in ihre Zweisamkeit ein, fliegen Wände und Decke eines prachtvollen Salons heran. Die Vision der freien Liebe ist vorbei, die beiden erwachen im goldenen Käfig.
Mathis Neidhardts Bühnenbild ist das zentrale Element in...
Sechs Jahre sind verstrichen, seit die von der Mailänder Scala und der Opéra national de Paris koproduzierte Monteverdi-Trilogie mit «L’Orfeo» an den Start ging. Zwei Jahre später als geplant wurde der Zyklus nun in Mailand mit «L’incoronazione di Poppea» abgeschlossen – nach einer Voraufführung im Pariser Palais Garnier (siehe OW 8/2014). Rinaldo Alessandrini...
Man kennt ihn gut in Paris. 1988, da war er gerade 34 Jahre alt, wurde Stéphane Lissner Generaldirektor des Théâtre du Châtelet und bescherte dem Haus einen Aufschwung, von dem noch heute mancher schwärmt. Es folgten Leitungsposten u. a. beim Festival d’Aix-en-Provence und – an der Seite Peter Brooks – im Théâtre des Bouffes du Nord. Derweil sehnte man sich in...
