Alptraum-verloren
Opernintendanten lieben das Recht der ersten Nacht beinahe so sehr wie Mozarts Graf Almaviva: Eine Uraufführung sichert die Aufmerksamkeit von Presse und Publikum und mehrt im Idealfall den Ruhm des Hauses. Zweit- oder Drittaufführungen sind da weniger spektakulär. Aber auch sie werden honoriert, sofern sie ein Stück neu beleuchten. Vor zwei Jahren spielte die Staatsoper Hannover Manfred Trojahns «Orest» überzeugend nach. Jetzt gab es Detlev Glanerts 2006 uraufgeführte Oper «Caligula», und wieder behauptete man sich gegen die Vor-Bilder.
Dass eigentlich eine Uraufführung geplant war – Giorgio Battistellis «Lot» wurde nicht rechtzeitig fertig und wird in der kommenden Spielzeit nachgereicht –, schmälert das Verdienst der Produktion nicht.
Regisseur Frank Hilbrich widersteht der Versuchung, den römischen Kaiser mit dem üblen Ruf als bloßes Stereoptyp zu zeigen. Ob Blendung, Schändung oder Meuchelei: In Hannover werden nicht dick Blut und Sperma aufgetragen, sondern die Abgründe der Figur ausgeleuchtet.
Volker Thiele hat dafür eine Bühne mit drei schwarz-weiß schraffierten Spielebenen geschaffen. Die Geschichte spielt so in einem zeitlosen, im Zweifelsfalle eher heutigen Raum. Die ...
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Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Rainer Wagner
War da was? Die Furie des Verschwindens, diesmal im Auftrag des Kobolds Postmoderne, hat die einst so mächtig scheinenden Phänomene der um den Serialismus kreisenden musikalischen Avantgarde verdeckt, verschüttet, ja nahezu schon die Erinnerung daran gelöscht. Wem bedeuten Schnitte ins Opernbewusstsein wie Henri Pousseurs «Votre Faust» (Piccola Scala Mailand 1969)...
Liegt es am Rummel um Raubkunst, Fälschungen und andere Skandale, dass vertrackte Opernhandlungen derzeit gern ins Kunstmilieu oder gleich ins Museum verlegt werden? Der Trick bietet sich ja an: Glamour, Verbrechen und Mordspreise liegen hier nahe beieinander. Dass die Metapher trotzdem langweilen kann, bewies kürzlich Alvis Hermanis in Salzburg mit seinem...
Es ist eine alte Geschichte, doch für die Betroffenen bleibt sie stets neu: Ein Mann verlässt seine Frau und nimmt sich eine Jüngere. Aber die Frau rächt sich. Erst will sie die Kinder töten, dann mit dem Mann und dessen neuer Geliebter abrechnen. Schließlich bringt sie sich um. Vincenzo Bellini und sein Librettist Felice Romani haben aus dieser Boulevard-Tragödie...
