Rückschau vom Krankenbett
Charles Gounods «Faust» verschiebt die Dramaturgie der Goethe’schen Vorlage weg vom Erkenntnis- und Erlebnisdrang des ruhelosen Gelehrten hin zur Gretchen-Tragödie. Am Theater Hagen hat nun Regisseur Holger Potocki versucht, die Gewichte zugunsten des Titelhelden wieder in die Gegenrichtung zu verschieben, indem er die Handlung als eine Art Rückschau des todgeweihten Faust erzählt.
Während der Ouvertüre materialisieren sich zunächst diffuse Pixelpunkte auf der den Vorhang ersetzenden Projektionsleinwand.
Langsam formieren sie sich zu einem Greisengesicht auf dem Krankenbett mit Sauerstoffschlauch in der Nase. Der Greis ringt stumm nach Luft, versucht vergebens, sich zu bewegen.
Dann liegt der Alte aus dem Video, der natürlich niemand anders ist als der alte Faust, auf der Bühne in einem kahlen Krankenzimmer. Personal umschwirrt ihn, der diensthabende Arzt wird konsultiert, Schwestern assistieren, schließlich wird der Priester gerufen zur letzten Ölung.
Da der Schauspieler Klaus Klinkmann den Greis spielt, muss Tenor Paul O’Neill die ersten Passagen der Faust-Partie aus dem Graben heraus singen, bis er verzweifelt den Teufel anruft. Da schlüpft der salbende Priester flugs aus der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2015
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Regine Müller
Vrenchen und Sali könnten glücklich sein. Wenn sie nicht das Pech hätten, aus zwei verfeindeten Bauernfamilien zu stammen. Und sie die gehässige Gesellschaft nicht in den Tod triebe. So funktioniert die gängige Lesart von Gottfried Kellers berühmter Novelle «Romeo und Julia auf dem Dorfe». Frederick Delius hat in seiner gelegentlich wieder aufgeführten Oper die...
Liegt es am Rummel um Raubkunst, Fälschungen und andere Skandale, dass vertrackte Opernhandlungen derzeit gern ins Kunstmilieu oder gleich ins Museum verlegt werden? Der Trick bietet sich ja an: Glamour, Verbrechen und Mordspreise liegen hier nahe beieinander. Dass die Metapher trotzdem langweilen kann, bewies kürzlich Alvis Hermanis in Salzburg mit seinem...
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
P = Premiere
AP = A-Premiere
BP = B-Premiere
UA = Uraufführung
WA = Wiederaufnahme
Deutschland
Aachen
Tel. 0241/478 42 44+0180/500 34 64
Fax 0241/478 42 01
www.theater-aachen.de
– Der Freischütz: 1., 7., 15., 24.
– Luisa Miller: 5., 26.
– West Side Story: 13., 31.
– Janácek, Jenufa: 22....
