Aus dem Leben eines Taugenichts

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Eines Abends in Peking erschien mir im schweren Smog Konfuzius und schenkte mir Erkenntnis. Wie üblich, hatte man uns Programmhefte in die Garderoben gelegt. Ich nahm meines, warf einen Blick hinein – da ging mir ein Licht auf. Die Dinger sind wahre Memorabilia, der Beweis, dass man an einem bestimmten Ort war, teilhatte an etwas. Im Grunde wie Selfies, nur dass man sie nie, wirklich nie wieder anschaut. Plötzlich sah ich all die Kisten vor mir, die auf meinem feuchten Dachboden unbesehen vor sich hin modern. Wenn ich sterbe, dachte ich, hinterlasse ich meinen Kindern Berge von Müll.

Stehen dann Historiker vor der Haustür Schlange, um aus vergilbten Besetzungszetteln Details meiner Karriere zu rekonstruieren? Wohl kaum.

Ich war auf den Seiten mit den Biografien gelandet. Augenblicklich überfielen mich tiefe Resignation und lähmende Müdigkeit. Es gibt ja nichts Lächerlicheres als die durchschnittliche Sänger-Vita. Meine eigene liest sich einfach grauenhaft: Ein Praktikant meines Agenten hat sie zusammengehauen wie ein Kleinkind einen Legobausatz. Es ist praktisch unmöglich, bis zum Ende durchzuhalten, erst recht für einen chinesischen Funktionär im Pekinger Poly Theatre. Mal ...

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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Christopher Gillett

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