Im Zeichen des Dollars
An der Metropolitan Opera werden Programmhefte nicht verkauft, sondern mit vollen Händen ausgeteilt. Für die Werkeinführung müssen ein paar Absätze genügen, ansonsten: Werbung, Sponsorenlisten. In den USA, wo die Subventionen nicht der Rede wert sind, müssen Opernhäuser um jeden Dollar kämpfen. Selbst dieser Pilgerort der Afficionados, an dem Simon Rattles «Tristan»noch besser klingt als in Baden-Baden und Berlin, mit «seinen» Philharmonikern. Wo Nina Stemme jetzt als Isolde, Gerald Finley als Tell triumphierte.
Wo gerade jemand während einer der «Guillaume Tell»-Aufführungen die Asche eines besonders hingebungsvollen Fans in den Orchestergraben rieseln ließ und damit ein Anti-Terror-Kommando auf den Plan rief.
Auf der anderen Seite des Central Park, im Kaye Playhouse des Hunter College an Manhattans Upper Eastside, hat man im Graben keine Probleme mit Kremiertem, sondern mit dem Schlagzeug. Das muss hinter die Bühne und zugespielt werden, aus Gründen der Balance, aber die Mikros stehen ungünstig. Louis Karchin runzelt die Stirn: «Zu viel Marimba», sagt er besorgt. Immer wenn’s gefühlvoll wird auf der Bühne, wo man Karchins zweite Oper – die Vorlage ist Charlotte Brontës «Jane ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Wiebke Roloff
Wahre Kunst, schreibt Siri Hustvedt in einem ihrer Essays, hat die Eigenschaft, uns nervös zu machen; im positiven Sinn. Will man die Kunst Gwyneth Jones’ beschreiben, liegt man mit dieser Sentenz wohl nicht ganz falsch. Wenn die walisische Sopranistin die Bühne betrat, wurde der Zuschauer festgehalten, gebannt, zuweilen gar geblendet. Nicht erst, als sie die...
Rechts steckt die Dame vom Sicherheitsdienst ihre Nase in den Rucksack eines Studenten. Ein Riesenriechorgan aus Latex. Und links an der Saaltür blitzen von der Schulter des Programmverkäufers goldene Epauletten: Das Einlasspersonal, das die schnatternden Massen durch das baubedingt unübersichtliche Foyer schleust, stimmt schon mal auf Schostakowitschs «Nase» ein.
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Den Goethe-Liedern von Schubert (August 2015) lässt der Tenor Mauro Peter knapp ein Jahr später ein veritables Schumann-Album folgen. Zwar gibt auf dem Cover der bedeutende Heine-Zyklus «Dichterliebe» op. 48 den Ton an, doch bilden die folgenden ausgewählten Gesänge (neben den Fünf Liedern op. 40 weitere zehn Heine-Vertonungen) mehr als bloß Beiwerk. Und dies nicht...
