Im Zeichen des Dollars
An der Metropolitan Opera werden Programmhefte nicht verkauft, sondern mit vollen Händen ausgeteilt. Für die Werkeinführung müssen ein paar Absätze genügen, ansonsten: Werbung, Sponsorenlisten. In den USA, wo die Subventionen nicht der Rede wert sind, müssen Opernhäuser um jeden Dollar kämpfen. Selbst dieser Pilgerort der Afficionados, an dem Simon Rattles «Tristan»noch besser klingt als in Baden-Baden und Berlin, mit «seinen» Philharmonikern. Wo Nina Stemme jetzt als Isolde, Gerald Finley als Tell triumphierte.
Wo gerade jemand während einer der «Guillaume Tell»-Aufführungen die Asche eines besonders hingebungsvollen Fans in den Orchestergraben rieseln ließ und damit ein Anti-Terror-Kommando auf den Plan rief.
Auf der anderen Seite des Central Park, im Kaye Playhouse des Hunter College an Manhattans Upper Eastside, hat man im Graben keine Probleme mit Kremiertem, sondern mit dem Schlagzeug. Das muss hinter die Bühne und zugespielt werden, aus Gründen der Balance, aber die Mikros stehen ungünstig. Louis Karchin runzelt die Stirn: «Zu viel Marimba», sagt er besorgt. Immer wenn’s gefühlvoll wird auf der Bühne, wo man Karchins zweite Oper – die Vorlage ist Charlotte Brontës «Jane ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Wiebke Roloff
An die 90 Jahre Operngeschichte konnte Hans Pischner überblicken: von Glucks «Orpheus und Eurydike», die er als Kind in Breslau gesehen hatte, bis zu Beethovens «Fidelio», den er – als Neuinszenierung von Harry Kupfer – am 3. Oktober dieses Jahres in der Berliner Staatsoper im Schiller Theater aufmerksam mitverfolgte. Noch als Hundertjähriger erinnerte er sich...
Tri-tra-trullala? Gewiss nicht. Der Kasperle, der da im Drillich über die Puppenbühne hetzt, ist nicht der fröhliche Freund der Kinder, sondern eine geschundene, im Wahn zum Mörder werdende Figur. Es ist die Geschichte vom armen Soldaten, dem nach experimentellem Dörrbohnengenuss die Birne weich wird – von Georg Büchner aufgegriffen und von Alban Berg genial in...
Secco-Rezitative? Frauen in Hosenrollen? Im Neapel des frühen 19. Jahrhunderts galt das schon als altmodisch, jedenfalls an den kleineren Theatern. Man zog den Mezzos hohe Tenöre vor, an die Stelle der Rezitative traten gesprochene Dialoge – wie im Singspiel oder der Opéra comique, bloß im neapolitanischen Dialekt. Für die Premiere von «Olivo e Pasquale» 1827...
