Aus dem Geist der Musik
Ihm und «La scintilla» galt der größte Beifall: Marc Minkowski und das Barockensemble der Oper Zürich waren zusammen mit fast durchweg in ihren Rollen debütierenden Sängern für diesen fesselnden Vier-Stunden-Abend entschieden mehr verantwortlich als Inszenierung, Bühne und Kostüme. Wann je – nicht einmal in Minkowskis eigener Aufnahme von Händels «Giulio Cesare in Egitto» – kann man die Wiederholungen in den Da-capo-Arien so variantenreich in der Dynamik, so musikalisch fesselnd und expressiv in der Auszierung erleben wie hier.
In den Lamenti reduzierte Minkowski die Lautstärke bis hin zum leise verdämmernden Flüstern; in den schnellen, aggressiven Arien dagegen feuerte er seine Musiker stets dazu an, noch eine Spur heftiger und greller zu artikulieren. Die Koloraturen dienten immer einer Intensivierung des Ausdrucks, interpolierte hohe Töne gab es erst gegen Ende, gleichsam der Klimax des Dramas geschuldet. Daneben waren freilich auch die Rezitative wie viele instrumentale Vor- und Nachspiele von einer lodernden Intensität erfüllt. Nur schade, dass es nach allen Nummern Applaus gab, was selbst in einer Händel-Oper den musikalisch-dramatischen Fluss stört.
Aber fatalerweise ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eine verwegene These? Die Berliner Philharmoniker sind kein gutes Opernorchester – weil sie ein zu gutes sind. Wenn den Musikern und Simon Rattle eine so hellsichtige, geistsprühende Interpretation gelingt wie bei den diesjährigen Salzburger Osterfestspielen, sprengen sie das Gesamtkunstwerk Oper. Was da bei Benjamin Brittens «Peter Grimes» an elektrisierender...
Die 1855 in Paris uraufgeführten «Vêpres siciliennes» haben sich nur in ihrer italienischen Version («I vespri siciliani») dauerhaft im internationalen Repertoire behaupten können. Giuseppe Verdis zweiter Versuch mit der Gattung der Grand Opéra hatte aber auch bei seinem ersten Erscheinen in der französischen Metropole nicht viel mehr als einen Achtungserfolg, was...
Die aus dem Alten Testament (1. Buch Salomo) bekannte Geschichte von Saul und David hat dramatische Komponisten zu allen Zeiten interessiert, die bekanntesten Versionen stammen von Marc-Antoine Charpentier (1688), Georg Friedrich Händel (1738), Carl Nielsen (1902) und Arthur Honegger (1921). Die bislang jüngste schrieb der hierzulande kaum bekannte Florentiner...
