Aufleuchtende Details
Nein, es ist nicht der Dichter, der spricht. Es ist der Komponist. Leise, eindrücklich, leicht schnarrend klingt seine Stimme, und was sie sagt, reicht tief, zum Kern (und in die Katakomben) der Condition humaine. György Kurtág rezitiert Gedanken des ungarischen Reformators, Philosophen und Sophokles-Übersetzers Péter Bornemisza, es ist der Prolog zu einer 2017 in Budapest entstandenen Aufnahme des Konzerts für Sopran und Klavier «Die Sprüche des Péter Bornemisza» op.
7 (mit dem 91-jährigen Komponisten am Klavier), das in nuce Kurtágs Poetik offeriert und zugleich auf ein Wesensmerkmal dieses in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Komponisten verweist: Mehr als fünf Jahre, vom Januar 1963 bis zum August 1968, hat er an seinem ersten, beinahe abendfüllenden (dodekaphonen) Opus gefeilt, geschliffen, poliert und montiert, bis es ihm als aufführungswürdig erschien. Entstanden ist ein Werk der konzisen, kristallinen Formen (kaum eine der 24 Miniaturen überschreitet die Dauer von einer Minute), das Theatralität und klingende Totalität in eins setzt und darüber hinaus nach Transzendenz sucht – und dies mit einer Stimme, die an die einsamen Frauen in Schönbergs «Erwartung» und Poulencs ...
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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Essay, Seite 72
von Jürgen Otten
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Kakanien, versunkenes Riesenreich. Wie es war, wie es vielleicht noch sein könnte, wäre es nicht 1918 in den Ruhestand versetzt worden, darüber gibt uns Robert Musil, einer der größten Literaten des 20. Jahrhunderts, äußerst beredtblümerant (und mit dem inhärenten Subjektivismus des phantasiebegabten Schriftstellers) Auskunft: «So oft man in der Fremde an dieses...
Uraufführung I
Eine «aberwitzige Satire zum Stand der Gegenwart» verspricht Olga Neuwirth s neue Oper «Monster’s Paradise». Elfriede Jelinek schrieb das Libretto zu dieser Grand-Guignol-Opéra, Tobias Kratzer inszeniert das Stück an der Hamburgischen Staatsoper. Bleibt nur die vorsichtige Frage, ob Neuwirths «Polit -groteske» vielleicht schon längst von der bizarren...
