Aufleuchtende Details

Sein Œuvre ist schmal, es besteht aus Splittern und Spuren, aus Floskeln und Fetzen, aus vielen Moments musicaux. Aber es besitzt eine Konsistenz, wie sie zuvor nur Anton von Weberns Musik zeitigte. Am 19. Februar feiert György Kurtág seinen 100. Geburtstag. Anmerkungen zu Werk und Leben eines außergewöhnlichen Komponisten

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Nein, es ist nicht der Dichter, der spricht. Es ist der Komponist. Leise, eindrücklich, leicht schnarrend klingt seine Stimme, und was sie sagt, reicht tief, zum Kern (und in die Katakomben) der Condition humaine. György Kurtág rezitiert Gedanken des ungarischen Reformators, Philosophen und Sophokles-Übersetzers Péter Bornemisza, es ist der Prolog zu einer 2017 in Budapest entstandenen Aufnahme des Konzerts für Sopran und Klavier «Die Sprüche des Péter Bornemisza» op.

7 (mit dem 91-jährigen Komponisten am Klavier), das in nuce Kurtágs Poetik offeriert und zugleich auf ein Wesensmerkmal dieses in vielerlei Hinsicht außergewöhnlichen Komponisten verweist: Mehr als fünf Jahre, vom Januar 1963 bis zum August 1968, hat er an seinem ersten, beinahe abendfüllenden (dodekaphonen) Opus gefeilt, geschliffen, poliert und montiert, bis es ihm als aufführungswürdig erschien. Entstanden ist ein Werk der konzisen, kristallinen Formen (kaum eine der 24 Miniaturen überschreitet die Dauer von einer Minute), das Theatralität und klingende Totalität in eins setzt und darüber hinaus nach Transzendenz sucht – und dies mit einer Stimme, die an die einsamen Frauen in Schönbergs «Erwartung» und Poulencs ...

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Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Essay, Seite 72
von Jürgen Otten

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