Aufgefrischt und konserviert
Mit seiner dritten Oper, der abendfüllenden zweiaktigen Farce «L’equivoco stravagante» (Das wunderliche Missverständnis), hatte der erst 19-jährige Gioacchino Rossini wenig Glück. Die Behörden in Bologna, wo das Stück herauskam, stießen sich an den erotischen Freizügigkeiten des Textes von Gaetano Gasbarri wie an dem Plot selbst. Nach nur drei Aufführungen wurde die Oper vom Spielplan genommen. Für den Komponisten war das eine schlimme Erfahrung, denn er hatte alle seine damals schon beträchtlichen Talente in diese Arbeit gesteckt.
Heute kann man nur staunen über die frühreife Souveränität im Aufbau der Ensembles und das handwerkliche Geschick im Mixen disparater Stile. Pastorale und romantische Elemente vermischen sich mit burlesken und buffonesken.
Das damals inkriminierte Libretto schockt heute niemanden mehr, stattdessen kann man den Aberwitz der Handlung und die witzigen Dialoge goutieren. Der arme Ermanno versucht seinen reichen Nebenbuhler Buralicchio außer Gefecht zu setzen, indem er ihm weismachen lässt, seine Zukünftige Ernestina, Tochter des neureichen Großbauern Gamberotto, sei in Wahrheit ein Kastrat, der in Frauenkleider gesteckt wurde, um dem Militärdienst zu ...
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