Auf zu neuen Ufern

Düsseldorf diskutiert. Soll die Deutsche Oper am Rhein, charmantes Juwel aus den 1950er-Jahren, von Grund auf saniert werden? Oder ist ein Neubau, obschon kostenintensiver, auch aus Gründen der Nachhaltigkeit, zukunftsweisender? Eine Einschätzung

Die Theater sind im Umbruch. Der lähmende Stillstand durch die Corona-Krise hat nicht nur enthüllt, wie elend weit hinten im Ranking der Systemrelevanz die Kultur tatsächlich platziert ist. Die Pandemie hat den Blick der marginalisierten Institutionen auch – mit durchaus masochistischen Anteilen – nach innen gelenkt. Lange schon rumorende Fragen nach den traditionellen Machtstrukturen des Theaters werden nun in aller Schärfe formuliert. Aber auch der durch die Marginalisierung noch stärker empfundene Legitimationsdruck scheint zu wachsen.

Zuvor eher als modisch verstandene Forderungen nach Öffnung der Institutionen und Erweiterung des Angebots in Richtung Breitentauglichkeit rutschen in der Prioritätenliste nun ganz nach vorne. Aus den nachtaktiven, tagsüber schlummernden Opernriesen sollen Shoppingmalls kultureller Ganztagsbetreuung werden. Ob das in Düsseldorf, bei der Deutschen Oper am Rhein, glücken könnte und überhaupt gewollt ist , hängt auch vom Votum der Bürger ab, die in den Prozess aktiv mit eingebunden werden sollen.

Das Opernhaus an der Heinrich-Heine-Allee prunkt zwar mit seiner konkurrenzlos repräsentativen Lage – der Hofgarten im Rücken, freier Blick auf die ...

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Opernwelt Juni 2021
Rubrik: Im Focus, Seite 32
von Regine Müller

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