Auf Tuchfühlung mit den ganz Großen
Da sitzt er nun und blickt geschlagene 125 Jahre vom Hauptmarkt zum Gewandhaus hinüber, einst umgeben von Laubbäumen, heute von parkenden Fahrzeugen, aber nach wie vor den Kopf grüblerisch in die Hand gestützt, eher träumerisch, wie es sich für den größten deutschen Romantiker auch gehört, vielleicht ein wenig ratlos gar, denn ein Opernhaus hat er zu Lebzeiten dort nicht entdecken können, aber ein provisorisches «Theater auf dem Gewandhaus», an dessen Eröffnung der 13-jährige Gymnasiast auch teilnahm.
Eine Aufführung der 1848 vollendeten Oper «Genoveva» kam freilich nicht in Frage, obwohl Schumann seine Heimatstadt wohl ganz lieb gewesen wäre, abseits von den Wirren der Leipziger Revolution, wo die Partitur im Stadttheater schon Staub ansetzte.
Aber nein, Zwickau war und blieb Provinz, von regulären Aufführungen im örtlichen Gewandhaus konnte erst ab 1855 gesprochen werden, als man in das gut dreihundert Jahre alte Gebäude ein Theater in die Längsachse setzte. Eröffnet wurde mit Boieldieus «Weißer Dame», die arme Genoveva kam von ihrem Felsen im Wald vorerst nicht herunter. Jedenfalls nicht nach Zwickau. Schumanns Sorgenkind, das er unter heftigem Beifall im Sommer 1850 aus der ...
Die Welt, auch die der Oper, ist ungerecht. Während man den Großen stets, und sei es auch noch so kritisch, huldigt, führen die Kleinen meist ein Dasein im Schatten, sprich: Man bemerkt sie kaum. Doch gerade in den Darstellenden Künsten und hier insbesondere in der Oper liegt der große Gewinn in der Vielfalt. Und was das angeht, schauen die benachbarten Länder sehnsuchtsvoll nach Deutschland. Es ist dies nach wie vor das Land mit der größten Theaterdichte weltweit. Und das berühmte deutsche Stadttheater gewissermaßen das Fundament dieses Reichtums. Diesen vor Ort in Augenschein zu nehmen, ist Anlass und Impuls für die Serie «Opernwelt auf Landpartie», in der wir in loser Folge und von A bis Z die kleineren Häuser porträtieren.
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Reportage, Seite 66
von Volker Tarnow
Dennis Krauß hat im Moment einen Lauf: Im vergangenen Jahr kassierte er gleich zwei renommierte Preise, den 14. Europäischen Opernregie-Preis für Regie und Ausstattung und den «Faust»-Theaterpreis für seine Inszenierung von Péter Eö̈tvös’ «Sleepless» am Theater Chemnitz. Betrachtet man Photos seiner bisherigen Arbeiten, fällt ein Faible für starke Bilder und...
Eine Berliner Einraumwohnung – Wedding, Neukölln, das alte Kreuzberg, wir wissen es nicht. Aber alles ist da: Badzeile, Tisch, Stühle, Bett, eine Tapete mit anfechtbarem Muster. Doch dort sind auch noch Wandschlupflöcher, durch die seltsame Wesen hereingeistern. Meist rückwärts, mit Gespenster-Larven auf dem Hinterkopf. Zwei kleine Grabkreuze dräuen an der Rampe....
Ein trauriger Abend. Traurig wegen der Dürftigkeit der Gedanken und seiner emotionalen Leere. Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» kehrt auf jene Bühne zurück, wo die Oper 1934, nur zwei Tage nach der Leningrader Uraufführung, erstmals in Moskau zu erleben war – weiland in der Inszenierung von Wladimir Nemirowitsch-Dantschenko. Sein «Nachfolger» Alexander...
