Auf Messers Schneide
Als Philip Glass 1976 mit «Einstein on the Beach» die Minimal-Music-Ästhetik in das Musiktheater einbrachte, fiel in deutschen Landen kaum auf, dass der Titel keineswegs bedeutet «Einstein am Strand», sondern so viel wie «Einstein auf der Kippe». Das war insofern bezeichnend, als Einsteins Relativitätstheorie bei Glass nichts mehr zu tun hat mit der ethischen Verantwortung des Wissenschaftlers für die Nutzbarmachung seiner Forschungen.
Vielmehr diente sie diesseits allen außerkünstlerischen Engagements zur immanenten Überhöhung kleinteilig verschobener harmonischer und vor allem rhythmischer Muster.
Zwei Jahre zuvor war das in Ost-Berlins Lindenoper ganz anders gewesen: Da hatte Paul Dessau in der letzten seiner zu Lebzeiten uraufgeführten Opern den Physiker nicht nur zum Titelhelden gemacht, sondern auch zum Opfer wechselnder Zeitläufte. Während er im ersten Akt des von Karl Mickel librettierten und 1974 von Ruth Berghaus inszenierten «Einstein», gewarnt von einem jüngeren und einem älteren Kollegen, vor dem Faschistenpfiff aus Deutschland flieht, erscheint er im zweiten als Motor des Baus der amerikanischen Atombombe gegen die von Hitler angestrebte Weltherrschaft. Doch in dem ...
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Das Bühnenbild von Hans Dieter Schaal spielt auf höchst originelle Art mit der Doppelbödigkeit des Stoffs: Die linke Bühnenhälfte zeigt mehrfache Verglasung und ein blendend weißes Stiegenhaus. Das Innere eines modernen Gebäudes, einer psychiatrischen Klinik vielleicht. Rechts hat Paul, die Hauptfigur, in seiner fetischistischen Trauer um seine verstorbene Frau...
Das Cottbuser Staatstheater hat sich unlängst einen Deus ex machina zugelegt – er hört auf den Namen Tamino. Gleich nach der Ouvertüre fällt er, ein Bruchpilot mit ledernem Fliegerkäppi, vom glühbirnenflammenden Bühnenhimmel, um eine in ramponierten Beziehungskisten erstarrte Kommune aufzumischen, die man eher bei Beckett oder in der Rocky Horror Picture Show als...
Dieses Buch kann ich nicht genug rühmen; es enthält die holdseligsten Blüthen des deutschen Geistes und wer das deutsche Volk von seiner liebenswürdigen Seite kennen lernen will, der lese diese Volkslieder. […] Auf dem Titelblatte jenes Buches ist ein Knabe, der das Horn bläst; und wenn ein Deutscher in der Fremde dieses Bild lange betrachtet, glaubt er die...
