Im Zirkus der traurigen Clowns
Zum Lachen war Bajazzo ohnehin nie, hier ganz besonders nicht. Das Messer wie ein erigiertes Glied vor sich herführend, geht er auf Harlekin zu, unaufhaltsam, unausweichlich den tödlichen Streich führend. Ma la commedia non è finita. Noch kommt das langsame Sterben der roten Colombina, von ihr selbst kaum wahrgenommen im scharf begrenzten autistischen Bewusstsein. Dem Alten, ein Pantalone in Weiß, ist schließlich aufgegeben, die Brücke zu schlagen zur Zukunft.
Sind wir im falschen Stück? Die Clownskostüme da oben auf der Breitwandbühne des Festspielhauses lassen dies vermuten. Doch wir sehen nicht etwa ein Palimpsest von Leoncavallos «I pagliacci», sondern Stanislas Nordeys Inszenierung von Debussys «Pelléas et Mélisande» bei den Salzburger Osterfestspielen. Die Weißen Clowns sind allesamt vom tieftraurigen Zirkus Allemonde: Großvater, Mutter, Brüder, Knabe, Doktor. Einzig das Mädchen Mélisande, dieses seltsame und vermeintlich so beiläufige Wesen, an dem Außenwelt, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft scheinbar spurlos vorübergehen, bleibt den Abend über in der Außenseiterfarbe Rot. Mélisande einmal anders, nicht präraffaelitisch gläsern gezeichnet, sondern mit dem Rot als Farbe ...
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Angewidert lässt sie sich den Schmuck vom Vater umhängen. Senta und Daland hegen eine schwierige Vater-Tochter-Beziehung. Er, der plakativ geschäftstüchtige Materialist, der sich von Holländers Reichtümern blenden lässt; sie, die pubertierende Träumerin, die ihrer romantisch-blinden Schwärmerei vom Wundermann nachhängt. So einfach, so gut.
In der Fokussierung auf...
Das Debüt ist lange her. Vor sechsundzwanzig Jahren dirigiert Daniel Barenboim den «Tristan» zum ersten Mal: an der Deutschen Oper Berlin, wenig später dann in Bayreuth. Damals waren viele, nicht nur im Orchester, skeptisch. Würde ein weltberühmter Pianist, der zwar das Orchestre de Paris leitete, aber wenig Opernerfahrung hatte, das wirklich hinkriegen?...
Bürgt der Volkston in den «Wunderhorn»-Texten für eine leichtere Umsetzung in Musik?
H. R.: Ja, denn er bietet dem Komponisten mehr Raum als ein Gedicht aus der Kunstlyrik, das in sich viel strenger gefügt ist. Beim «Wunderhorn» haben wir diese Sprünge, die die Texte machen, bei denen also, verglichen mit ihren Vorlagen, manchmal ganze Strophen ausgelassen werden,...
