Auf Höhenflug
Einen Exotenbonus bekommen sie heute nicht mehr. Anzahl, sängerische Qualität und Variationsbreite innerhalb des Stimmfachs der Countertenöre nehmen stetig zu. An fast jedem Stadttheater trat schon einmal ein Counter in einer tragenden Rolle auf. Vorbei sind die Zeiten, als ein «Falsettist», der die Aufnahmeprüfung an einer Hochschule mit Bravour bestand, nicht zum Studium zugelassen werden konnte, weil niemand im Stande war, ihn zu unterrichten.
Dennoch herrscht noch immer eine biblische Sprach- und Begriffsverwirrung, wie denn die höchsten Männerstimmen zu bezeichnen seien – und dies jenseits von Tonumfang, Timbre oder Repertoire: Falsettist, Countertenor, contre-ténor, tenorino, tenor-altino, Altus, Contralto oder gar Haute-contre – bekanntermaßen auch der Name für den hohen Tenor der französischen Oper des 18. Jahrhunderts. Ob lateinisch oder italienisch, deutsch oder französisch: kein CD-Booklet, das hier nicht ins Schwimmen geriete. Und wenn gar von einem Countertenor als Mozarts Idamante im «Idomeneo» von 1781 die Rede ist (den er für den Kastraten Vincenzo Dal Prato komponierte), dann ist das Chaos perfekt.
Ein Missverhältnis herrscht zwischen der mittlerweile ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«In Osten wob ich. In Westen wand ich». Klingt nach Wagner. Stimmt auch. Das Zitat stammt aus der Kompositionsskizze zu «Siegfrieds Tod» von 1850. Bereits für ihr Weimarer «Rheingold» hatten Regisseur Michael Schulz und Dramaturg Wolfgang Willaschek aus dem Fragment Stoff für einen Prolog gewonnen. Vor Beginn der «Walküre» nun wird die Vorgeschichte der Oper stumm...
Kann sich ein Regisseur das entgehen lassen? Da spielt in der Oper um die dreihundertjährige Lebensgeschichte der Sängerin Emilia Marty das Kürzel E. M. eine wichtige, wenn auch zunächst rätselhafte Rolle, bis sich herausstellt, dass sich hinter den Buchstaben zwar stets dieselbe Person verbirgt, wenn auch mit mehreren verschleiernden Identitäten, die ebenfalls...
Stolze vier Uraufführungen stemmt das Stadttheater Fürth zum 1000-jährigen Stadtjubiläum. Mit der Wirtschaftswunderrevue «Petticoat & Schickedance» gelang ein großer Publikumserfolg, jetzt folgte mit dem zweiten Auftragswerk «Aus der Welt» eine anspruchsvollere Kammeroper, die beifällig aufgenommen wurde. Was zum einen an der gar nicht neutönerischen, sondern...
