Wien und der Rest der Welt
Die Pressekonferenzen des derzeitigen Direktors der Wiener Staatsoper haben stets etwas von Kabarett. Ioan Holenders Kommentare zur österreichischen Kulturpolitik – etwa zum Ende März veröffentlichten neuen Kulturbudget – lassen an Schärfe nie zu wünschen übrig. «Zehn Millionen Mehrbedarf mindestens hat man ausgerechnet für alle drei Häuser, und jetzt sind es fünf, und das erst im nächsten Jahr. So als wären wir irgendwelche Händler in einem Bazar, die von vorneherein den doppelten Preis verlangen, weil sie wissen, dass man sich dann auf die Hälfte einigt.
Das ist respektlos und beleidigend.» Die Ausschreibung zu seiner Nachfolge bezeichnete er als «Farce». «Wenn wir Glück haben, bewirbt sich niemand. Wenn doch, kann man sicher sein, dass niemand ernannt wird, der sich beworben hat.»
Probleme drohen auch von den Wiener Philharmonikern, die als Staatsopernorchester zum Dienst in der Oper verpflichtet sind, der ihnen aber immer lästiger zu fallen scheint. Holender verwies auf den Passus in deren Statuten, nach dem jeder Philharmoniker mindestens zwei Jahre vorher Mitglied des Staatsopernorchesters gewesen sein muss. Es sei eine Symbiose, die schwieriger werde, man müsse die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
«Tornato è maggio da eterno viaggio»: Wie romantisch, sich diese Mai-Serenata aus Umberto Giordanos Oper «La cena delle beffe» als Inspirationsquelle des Maggio Musicale Fiorentino vorzustellen, zumal Giordanos Verismo-Perle von 1924 im prachtvollen Florenz Lorenzo Magnificos spielt. Nach Gründung des Florentiner Orchesters 1928 besteht der von Vittorio Gui...
Natürlich gehört die Stadt Bayreuth zu den öffentlichen Geldgebern, die das Wagner’sche Sommertheater auf dem Grünen Hügel unterstützen. Es geht ums Renommee und um jenen Hauch von Weltläufigkeit, von dem man in Oberfranken ein ganzes Jahr zehrt – bis die Fanfaren zu den nächsten Festspielen blasen. Ein Opernensemble oder ein Profiorchester, das von September bis...
Das Beste am Christentum sei, dass es Ketzer hervorgebracht habe, bemerkte der Philosoph Ernst Bloch einmal. Ob José Maria Sánchez-Verdú die Schriften Blochs kennt, sei hier dahingestellt. Doch eines haben der deutsche Denker, der bis zu seinem Tod 1977 mit Marx- und Engelszungen die Utopie einer im Diesseits erlösten Welt predigte, und der 1968 geborene spanische...
