Auf Höhe der Zeit
Bereits seit 2005 nimmt das «Morgenland Festival» in Osnabrück alljährlich die Musikkultur des Vorderen Orients in den Blick und weitet die Perspektive von traditioneller Musik bis zu Avantgarde, Rock und Jazz. Höhepunkt der aktuellen Ausgabe ist ein spartenübergreifendes Projekt in Koproduktion mit dem Theater Osnabrück: «Songs for Days to Come» des aus Syrien gebürtigen Komponisten, Klarinettisten und Improvisators Kinan Azmeh. Die «Songs» sind seine erste Arbeit für das Genre Oper.
Zustande kam das Projekt auf Betreiben des neuen Intendanten Ulrich Mokrusch, der künftig in jeder Saison ein bestimmtes Partnerland in den Spielplan einbeziehen will; Azmeh war ihm vom «Morgenland»-Intendanten Michael Dreyer empfohlen worden. Der Komponist seinerseits hatte spontan die Idee, drei bereits vorhandene Liedzyklen auf 15 Gedichte lebender syrischer Dichterinnen und Dichter zu verarbeiten und zu einer Handlung zu verknüpfen. Zusammen mit Prosatexten von Liwaa Yazij und Mohammad Abou Laban bilden sie das Libretto; die Tonspur wurde für das Osnabrücker Symphonieorchester, Opernchor und Solisten umgearbeitet und erweitert.
Das Ergebnis ist ein echter Wurf: schnörkellos, direkt, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt 8 2022
Rubrik: Panorama, Seite 46
von Regine Müller
Vor fünf Jahren eröffnete im Pariser Vorort Boulogne-Billancourt auf der Ile de Seguin der gigantische Musik- und Theaterkomplex «La Seine Musicale». Philippe Jaroussky mit seiner Académie Musicale und die Originalklang-Dirigentin Laurence Equilbey mit ihren Ensembles, dem Chor accentus und dem Insula orchestra, haben sich dort eingenistet. Das Programm bildet...
Verdis «Aida» ist nicht ganz leicht zu inszenieren: ein sehr lautes Werk, mit vielen Chören und viel Kampfgeschrei, gerade zu Beginn. Regisseurin Jasmina Hadžiahmetović lässt den fulminanten Chor des Badischen Staatstheaters Karlsruhe inszenatorisch völlig kritikfrei sein «Guerra! Guerra! Tremenda, inesorata!» brüllen. Befinden wir uns nicht in Kriegszeiten? Warum...
Fremdes Leiden, fremde Leidenschaft, wohin das Auge schaut. Die Grand Opéras von Giacomo Meyerbeer, Jacques Fromental Halévy, Daniel-François-Esprit Auber und anderen aus jener Sattelzeit, die der Philosoph Hans Blumenberg als «Epochenschwelle» beschrieb, sind nicht nur opulente Sittengemälde, in ihnen bildet sich, vor geschichtlich definiertem Hintergrund, das...
