Auf höchstem Niveau
Im Konzertsaal der Kölner Musikhochschule herrscht rege, summende Betriebsamkeit. Während das Publikum nach und nach den Saal betritt, sitzt das Orchester bereits auf der Bühne hinter einem noch schief gespannten Gazevorhang, davor flitzen Menschen auf der Bühne hin und her. Dann krächzt aus den Lautsprechern eine Ansage. Eine weibliche Stimme kündigt zunächst an, dass es vor der Aufführung von Strauss’ «Ariadne auf Naxos» noch eine Verständigungsprobe geben werde, und wiederholt ihre Worte danach im Kölschen Dialekt, der bekanntlich einen heiter-singenden Sound hat.
Da Kölner Menschen (nicht alle, aber ziemlich viele) Ganzjahreskarnevalisten sind, kommt das gut an. Die Stimmung ist gelöst, allenthalben scheint man noch zu improvisieren, während sich am Regiepult ein älterer Herr einrichtet. Er trägt einen schwarzen Kapuzenpulli, auf dessen Rückseite «Macht kein Theater» zu lesen ist. Das ist durchaus doppeldeutig zu verstehen. Denn es kann sowohl meinen: «Macht bloß kein Theater (zu eurem Beruf )» oder aber «Macht bloß keine Schwierigkeiten».
Der Herr im Hoodie ist ausgewiesener Experte für Ambivalenz und doppelten Boden, denn es ist kein Geringerer als Dietrich W. Hilsdorf, ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Regine Müller
In der Vorstellungskraft dieses Mannes scheint nichts unmöglich: Ein Haus errichten und eine Familie gründen will Peer Gynt mit einer Braut, die er eben von der Hochzeit weggestohlen hat (als sie sich ihm nicht willig zeigt, wandelt sich Zuneigung innerhalb eines Wimpernschlags in Hass, die Begehrte wird als «Hure» abgestoßen, als wäre zuvor nichts geschehen)....
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