Belle Époque mit nüchternem Geist
Die Komponistin», so Virginia Woolf 1929 in ihrem Essay «Ein Zimmer für sich allein», «steht heute noch da, wo zu Shakespeares Zeiten die Schauspielerin stand» – im Abseits. Und sie zitiert das Verdikt eines Kritikers: «Das Komponieren einer Frau ist wie das Laufen eines Hundes auf den Hinterbeinen. Es geht nicht besonders, doch man ist überrascht, dass es überhaupt geht.» Zu den Opfern dieser misogynen Häme gehört die Engländerin Liza Lehmann (1862– 1918), deren Lebenszeit exakt mit der Claude Debussys zusammenfällt.
Zunächst Sängerin mit einer erfolgreichen Konzertkarriere, die sie auch mit Clara Schumann und Joseph Joachim zusammenführte, war sie nach ihrer Heirat 1894 nur noch als Komponistin tätig. Als Fürsprecherin der Frauenrechte in der Musik war sie schließlich die erste Präsidentin der neugegründeten Society of Women Musicians. Ihre 1919 posthum erschienene Autobiographie kann sich durchaus mit den Erinnerungen ihrer mittlerweile ungleich bekannteren Kollegin Ethel Smyth messen.
Lehmanns produktives, professionelles Schaffen besteht neben einigen Opern und Schauspielmusiken aus mehr als 350 Liedern. Lucile Richardot stellt auf ihrer beim feministischen Independent-Label ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Medien, Seite 38
von Uwe Schweikert
Im Konzertsaal der Kölner Musikhochschule herrscht rege, summende Betriebsamkeit. Während das Publikum nach und nach den Saal betritt, sitzt das Orchester bereits auf der Bühne hinter einem noch schief gespannten Gazevorhang, davor flitzen Menschen auf der Bühne hin und her. Dann krächzt aus den Lautsprechern eine Ansage. Eine weibliche Stimme kündigt zunächst an,...
Am Tag, da in Rom der linksgerichtete Papst Franziskus zu Grabe gebracht wurde, fand am Theater Bielefeld die Premiere von Bohuslav Martinůs «Greek Passion» statt – ein Stück, das nach einem real praktizierten, radikal sozial verstandenen Christentum fragt, wie es auch der Verstorbene in Erinnerung bringen wollte. Der geheime Draht zwischen Rom und Bielefeld muss...
Verdis «Otello» ist ein grandioses Stück Theater. Es funktioniert auch noch, nachdem gewisse Kreise die Parole des Blackfacing-Verbots ausgegeben haben. Wobei – dies sei in Erinnerung gerufen – der ursprüngliche Otello, der Held einer 1566 erschienenen Erzählung des Renaissance-Schriftstellers Giambattista Giraldi Cinzio, eigentlich gar kein people of colour war,...
