Es geht auch ohne dunklen Anstrich
Verdis «Otello» ist ein grandioses Stück Theater. Es funktioniert auch noch, nachdem gewisse Kreise die Parole des Blackfacing-Verbots ausgegeben haben. Wobei – dies sei in Erinnerung gerufen – der ursprüngliche Otello, der Held einer 1566 erschienenen Erzählung des Renaissance-Schriftstellers Giambattista Giraldi Cinzio, eigentlich gar kein people of colour war, sondern lediglich mit Nachnamen «Moro» hieß.
Sei’s drum.
In Bremen entschied sich Frank Hilbrich, der regieführende Oberspielleiter des Hauses, für eine Variante ohne schwarze Farbe und führt die Verdi-Oper als ein Psycho-Drama vor, das es in sich hat. Wobei Jago als Vertreter des abgrundtief Bösen alle Fäden in der Hand hält, um den zu Beginn strahlenden Titelhelden nach und nach und dabei fast unmerklich zu demontieren, um ihn schließlich zu Boden zu zwingen. Michał Partyka agiert dabei mit einer Überzeugungskraft, die sich nicht lautstark in den Mittelpunkt spielt, sondern gerade in den leisen, teuflisch schleichenden Untertönen fesselt. Stimmlich lotet sein expressiver Charakterbariton alle Nuancen dieser von Verdi so ungemein differenziert gestalteten Gesangspartie aus. Das nihilistische «Credo» konnte einem in seiner ...
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Opernwelt Juni 2025
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Gerhart Asche
Sie habe immer geschrieben, um der Hölle zu entkommen, aber vergeblich: Das notierte die britische Dramatikerin Sarah Kane, wenige Monate bevor sie sich mit nur 27 Jahren das Leben nahm. In ihrem 1999 vollendeten Theaterstück «4.48 Psychose» schildert sie den Seelenkampf einer psychisch erkrankten Frau am Abgrund einer schweren Depression. Philip Ve -nables hat...
Als ich Giselher Klebe im März 2006 in Detmold zu einem Gespräch traf, galt meine letzte Frage der Zukunft der Oper als komponierter Form, wie er sie betrieben hat. Seine Antwort war niederschmetternd: «Es besteht die Gefahr, dass sie keine Zukunft hat.» Aufgeführt wurden seine Bühnenwerke schon damals kaum mehr, und diskographisch war es um ihn seit jeher schlecht...
Die Machos können beruhigt sein. Männer am Herd, Frauen an der Macht, dies sogar mit einer Generalin an der Spitze, so etwas bleibt beschränkt auf eine Enklave im Ozean. Zumindest in jener «verdrehten Welt», die Antonio Salieri auf ein Libretto von Caterino Tommaso Mazzolà imaginierte. «Il mondo alla rove -scia» heißt der Zweieinhalbstünder im Original und...
