Auf Forschungsreise

Luzern/Freiburg, Mozart/Coskun: Die Entführung aus dem Serail

Opernwelt - Logo

Noch ist Joachim Schlömer hauptamtlich Kurator von pvc Tanz Freiburg Heidelberg. Aber als Opern- und Schauspielregisseur hat er das Bloß-Choreografieren längst hinter sich gelassen, und deshalb braucht es einen nicht zu wundern, wenn die «Entführung aus dem Serail» Genregrenzen ignoriert und sich am Schluss als ein faszinierendes Forschungsprojekt erweist.

Als Bassa Selim macht sich Marianne Hamre jedenfalls von Anfang an eifrig Notizen in ein rotes Buch, und alles, was in den folgenden zweieinhalb Stunden um diese androgyne Autorität herum geschieht, dient allein einem wissenschaftlichen Ziel: nämlich herauszufinden, was mit den betroffenen Menschen in einer solchen Ausnahmesituation geschieht, welche Abhängigkeits- und Machtverhältnisse dabei entstehen, ob ein «normales» Leben nach einer überstandenen Entführung überhaupt noch vorstellbar ist.
Jens Kilian hat zu diesem Zweck hinter der Bühne einen Spiegel hochgezogen, der nicht nur das Publikum mit sich selbst konfrontiert, sondern auch allen Beteiligten ständig Einblicke in ihr eigenes Seelenleben gewährt. Davor hat der Regisseur, in Reih und Glied wie bei einem barocken Irrgarten oder in einem Schachspiel angeordnet, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2008
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Hartmut Regitz

Vergriffen
Weitere Beiträge
Vor und nach der Revolution

Kein Wunder, dass der schwärmerische Lenski (etwas ungelenk: Claude Pia) rasend eifersüchtig wird: Freund Onegin und seine Olga (aufgekratzt, mit schönem, leichtem Mezzo: Anne Schuldt) tanzen sich beim Geburtstagsfest Tatjanas in eine Lust an Bewegung hinein, die sie schnell vom 19. ins 20. Jahrhundert katapultiert und selbst vor Flamenco, Foxtrott, Cha-Cha-Cha und...

Nights at the Opera

Musikalisch, stilistisch und dramatisch hat Puccini in «Il trittico» drei verschiedene, in sich schlüssige Welten entworfen. Jeder dieser Ein­akter könnte auch ohne die beiden anderen bestehen. Ein Haus, das alle Stücke an einem Abend zeigt, lässt sich so auf eine künstlerische Herausforderung ein, die der einer «Ring»-In­szenierung kaum nachsteht. In Los Angeles...

Reizvolle Trouvaille

Schon der Name «Neue Düsseldorfer Hofmusik» zeigt, dass man bei der Gründung des Barockorchesters im Jahr 1995 einen spezifisch lokalen Anknüpfungspunkt suchte. Man fand ihn in den Jahrzehnten um das Jahr 1700, als Düsseldorf für rund fünfunddreißig Jahre Sitz des pfälzischen Kurfürsten Johann Wilhelm («Jan Wellem») und eine der glanzvollsten deutschen...