Auf dünnem Eis
Ist das nun spektakulär oder doch nur Spektakel? Wer ein Fan des «Oper für alle»-Prinzips ist, wird Ersteres betonen, Puristen der Sakralmusik wie der historischen Aufführungspraxis dagegen wohl eher Letzteres. Nach dem Überraschungserfolg mit Hans Werner Henzes «Das Floß der Medusa» im vergangenen Herbst hat sich die Komische Oper erneut in einem Hangar des ehemaligen Flughafens Tempelhof eingemietet. In der 4500 Quadratmeter großen Halle finden jeweils 1800 Zuschauerinnen und Zuschauer Platz, steil wie in einem antiken Amphitheater ragen die Ränge auf.
Leicht entstehen hier Schwindelgefühle beim Auf- und Abstieg; ist der Sitzplatz aber erst einmal erreicht, stellt sich ein Gemeinschaftsgefühl ein, das stärker ist als in einem traditionellen Theatersaal – berührender. Der weite Raum mit seinem freischwebenden Dach wird zum Protagonisten des Abends: 60 mal 20 Meter misst die Spielfläche, der weiße Bühnenboden weckt Assoziationen an eine Schlittschuhbahn. Und auf dünnem Eis bewegen sich die Mitwirkenden in der Tat bei dieser szenischen Ver -sion von Händels «Messiah»: denn es geht um Sterbehilfe.
In der deutschen Atheisten-Hauptstadt Berlin ersetzt Regisseur Damiano Michieletto die ...
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Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Frederik Hanssen
Einen «märkischen Hamlet» nannte Hans Werner Henze den Prinzen Friedrich von Homburg und fasste damit auf seine Weise den ganz eigentümlichen Charakter von Kleists Bühnenfigur zusammen: sensibel bis an die Grenze zur Lebensuntauglichkeit, umgeben aber von einem Preußentum, das nach absolut verlässlicher Funktion verlangt. Ein Träumer und Empfindsamer ist dieser...
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Während die Opern Monteverdis und Händels fast schon zum Repertoire gehören, fristen die Werke ihrer französischen Gegenspieler Lully und Rameau noch immer ein Dasein als Mauerblümchen. Lullys dreizehnte und letzte, 1686 uraufgeführte Tragédie en musique «Armide», die soeben in einer glänzenden Neuaufnahme beim Label Château de Versailles Spectacles erschienen ist,...
