Ein Lehrstück
Dass Mozarts «Zauberflöte» mit ihren extremen Widersprüchen der Figuren, den heftigen Kontrasten und abrupten Wechseln ihrer Handlung wie ihrer auch musikalisch hybriden Künstlichkeit nicht die Vollendung, sondern das Ende der Aufklärung bedeutet, ist das Fazit in Laurenz Lüttekens jüngst erschienenem Buch über die bei Jung und Alt populäre Oper. Für ihn stellt sie keine Utopie, gar ein weihevolles Mysterium, sondern eine Dystopie dar, die mit irritierender Direktheit enthüllt, dass die Zeit aus den Fugen geht.
Auf der Bühne ist diese Dekonstruktion nicht neu. Schon Dietrich Hilsdorf, Peter Konwitschny und andere haben hinter die schöne Idealwelt von Sarastros Priesterstaat ein großes Fragezeichen gesetzt. Magdalena Fuchsberger in ihrer Essener Neuinszenierung zielt entschieden weiter. Kompromisslos radikal verabschiedet sie das Bild vom harmlos-naiven Märchen und enthüllt ein Brecht’sches Lehrstück, nämlich wie die Welt nicht sein soll. An dessen Ende löst die Polizei die wüste Sektenorgie auf – am Premierenabend Anlass zu einem wütenden Publikumsprotest gegen das Regie-Team, dem sich die Lokalpresse genüsslich anschloss.
Pamina, Papagena, Papageno und Tamino sind ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2024
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Uwe Schweikert
Der Teufel trägt Trenchcoat, beigefarben, darunter ähnlich getönten, ziemlich edlen Zwirn, einen Anzug samt Hemd und Weste; auf der Nase sitzt eine modische Brille. Könnte, so elegant, wie ihn Kostümbildnerin Julia Rösler eingekleidet hat, durchaus ein feiner Herr sein, doch ebensogut würde der grandios spielende und extrem variabel singende Krzszytof Bączyk als...
Wie hat es der Schriftsteller und Dramatiker Peter Hacks einmal so lakonisch-scharfsinnig formuliert: Kunst ist immer in lausigen Zeiten. Betrachtet man die Gegenwart, stellt sich der Eindruck ein, dass es gerade besonders lausige Zeiten sind, vor allem wenn sich der Blick in den Nahen Osten wendet, wo die «Kommunikation» zwischen den verfeindeten Lagern nur noch...
Die Frage ist nicht neu, aber von zeitloser Dringlichkeit: «Wer sind wir, was ist unser Zweck, und was bleibt von uns nach unserem Tod?» Huw Montague Rendall zögert nicht lange und liefert im Booklet seines Albums mit dem schönen Titel «Contemplation» gleich die demütige Antwort mit: «Wir sind nichts als Sternenstaub. Wesen kosmischen Ursprungs, schwebend in der...
