Auf der Kippe
Eine zweite Heimat am Oberrhein: Dazu scheinen sich Basel und Freiburg für Calixto Bieito zu entwickeln. In der nächsten Spielzeit geht es mit Janáceks «Totenhaus» dort und Ligetis «Grand Macabre» hier weiter. Kurz nach der Baseler «Lulu» (OW 4/2009) indessen erst mal Manuel de Fallas «La vida breve» im Breisgau. Das bedeutet zunächst einen Umzug des knappen, diesmal ohne «Zugabe» gespielten Eineinviertelstünders aus Granada in eine südamerikanische Favela.
Die Armut dort scheint dem Regisseur heute eine angemessenere Elendsumgebung abzugeben als das spanisch-gitanische Original.
Rebecca Ringst hat eine drangvoll enge, waben- oder zellenartige Massenbehausung gebaut – nicht unähnlich der Wernicke’schen für seinen Bach-Kantaten-Abend, nur weit gröber gezimmert, weit roher, weit behelfsmäßiger, aus Sperrmüll, aus Holzresten. In dieser Enge brütet die Bedrohung, nistet potenzielle Gewalt, brodelt permanent eine ungute Stimmung. Lange jedoch herrscht, im schummrigen Halbdunkel eine nicht recht durchschaubare, fast Bieito-untypische Ruhe. Schon hier spinnt der Regisseur die Fäden des Werks weiter. Dann kommt es doch zum unvermeidlichen Ausbruch – in den Tanzrausch, in die brutale ...
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Wolfgang Rihm griff bei seinen Opernstoffen seit jeher zu großer Literatur – Georg Büchner («Jakob Lenz»), Heiner Müller («Hamletmaschine»), Sophokles/Hölderlin («Oedipus») und Antonin Artaud («Die Eroberung von Mexiko») dienten als Textlieferanten. Im kommenden September fasst das Theater Basel drei seiner kürzeren Arbeiten – «Aria/ Ariadne» (nach Nietzsche), «Das...
Alban Bergs «Lulu» hat Konjunktur. Die vier Premieren kurz hintereinander in Basel (Calixto Bieito), Lyon (Peter Stein), Wiesbaden (Konstanze Lauterbach) und nun an Covent Garden (Christof Loy) bestätigten in ihrer szenischen Unterschiedlichkeit die Bemerkung von Karl Kraus, dass ins wahre Kunstwerk, in dem ein Dichter seine Welt gestaltet habe, alle alles...
Ihre Treue wurde der «Nymphe» bisher kaum gelohnt: Obwohl die 1732 zur Eröffnung des neuen Theaters von Verona komponierte «Fida ninfa» lange Zeit die einzige in einer modernen Edition zugängliche Vivaldi-Oper war, hatte das keine ernst zu nehmende Gesamteinspielung zur Folge. Selbst die Chance der hochkarätig besetzten Produktion bei den Potsdamer Musikfestspielen...
