Auf dem zweiten Bildungsweg
Sein Blick folgt aufmerksam den Solisten auf der Bühne, die Arme fahren in großen, vertikalen Bewegungen nach oben, der Oberkörper bleibt ruhig. Hannu Lintu ist ein Klangarbeiter, ein Dirigent, der immer wieder betont, wie wichtig ihm das Zuhören ist, der eine Partnerschaft sucht mit den Musikern, aber auch mit dem Publikum im Saal. Diese Beschreibung mag viele Selbstverständlichkeiten aufzählen, bei Lintu sind sie allerdings zuverlässig zu erleben. Er trägt kein Maestro-Gehabe vor sich her, er sieht seine Position als Schnittstelle zwischen vielen anderen wichtigen Musikern.
Schon mehrfach trat er zu Beginn einer Opernproduktion vor das Sängerensemble mit den Worten: «Ihr kennt das Stück ganz genau, ich aber glaube bislang nur, dass ich es kenne». Und stellt dann zunächst einmal viel mehr Fragen, als er Ansagen macht. Natürlich ist auf seiner Website der Slogan «a road warrior for music» – in etwa zu übersetzen als: «Kämpfer im Außendienst der Musik» – schönster Marketing-Sprech. Er beschreibt Lintus Auffassung des Dirigentenberufs allerdings ganz gut.
Hannu Lintu hat seine Laufbahn über Jahrzehnte in Finnland aufgebaut: als Chefdirigent der Orchester in Tampere und Turku, ab ...
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Opernwelt September/Oktober 2024
Rubrik: Magazin, Seite 90
von Stephan Keim
Zwei Matronen stöckeln hier einher. Nummer eins, das ist die bewundernd liebende Mama, erst recht, wenn der Sohn Männer mag. Nummer zwei, Tante Putzebumskaja mit Osteuropa-Akzent, ist weniger tolerant, winkt aber mit dem Scheck. Dass Nummer eins vom Autor des Abends Thomas Pigor höchstselbst und fränkelnd («Frau Däschner mit hardem D») übernommen wird, setzt den...
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