Schönster Schmarrn
Zwei Matronen stöckeln hier einher. Nummer eins, das ist die bewundernd liebende Mama, erst recht, wenn der Sohn Männer mag. Nummer zwei, Tante Putzebumskaja mit Osteuropa-Akzent, ist weniger tolerant, winkt aber mit dem Scheck. Dass Nummer eins vom Autor des Abends Thomas Pigor höchstselbst und fränkelnd («Frau Däschner mit hardem D») übernommen wird, setzt den Ton für den Einakter. «Oh! Oh! Amelio!», von Pigor und Konrad Koselleck fürs Gärtnerplatztheater geschrieben, passt perfekt in Münchens rosarotes Viertel – und entzückt auch die Hetero-Abonnenten.
«Eine nagelneue Operette» ist diese schräge Fortführung einer Farce von Georges Feydeau untertitelt. Es ist die zweite Uraufführung von Pigor/ Koselleck fürs Haus nach «Drei Männer im Schnee». Die donnerte Intendant Josef E. Köpplinger 2019 zur Revue-Operette auf. «Oh! Oh! Amelio!» ist in der Regie von Gabi Rothmüller die schrille kleine Schwester fürs Kellergeschoss: Der Hundertminüter wird auf der Studiobühne gespielt.
Der Titelheld ist ein Travestiekünstler und tänzelt nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern zwischen allen Stühlen. Als Amelia lässt er bei einem TV-Produzenten die Säfte steigen. Amelios beste, finanziell ...
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Opernwelt September/Oktober 2024
Rubrik: Magazin, Seite 92
von Markus Thiel
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