Apropos... Treue

Nach Europa kam die gebürtige Amerikanerin vor bald vier Jahrzehnten. Seit 1986 war Carolyn Frank in Heidelberg engagiert, 2011 wurde sie dort zur Kammersängerin ernannt. Jetzt geht die Mezzosopranistin in den Ruhestand. So lange in einem Ensemble zu bleiben, schaffen heute nur noch wenige. Nach 15 Jahren ist für die meisten Schluss – weil sie sonst unkündbar würden

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Frau Frank, Theater lebt von Veränderung – hätten Sie lieber noch andere Engagements gehabt?
Nein. Ich war immer ganz glücklich hier. Als Ehefrau – mein Mann war Konzertmeister in Mannheim – und Mutter zweier Kinder gab es für mich noch ein anderes Leben. Wir hatten uns in Amerika kennengelernt und wollten keine Fernbeziehung führen. Ein paarmal gastierte ich anderswo und merkte, überall wird mit Wasser gekocht.  Statt Träumen nachzurennen, blieb ich in Heidelberg, es war einfach ideal.

Was bedeutet es für eine Sängerin, in einem Ensemble alt zu werden?
Mit 40 wird das schwierig. Da will man immer noch jung sein, versucht mitzuhalten. Das ist das Alter, in dem viele Sänger ihren Job verlieren, weil sie diese Zeit nicht mit Contenance durchstehen können. Mit 50 ist man selbst erstaunt, was man noch kann und wie man noch aussieht und wie man noch klingt. Mit 60 schließlich wird man bewundert, dass man noch so fit ist. Dann ist es toll, alt zu werden. Nach der letzten Vorstellung von «Katja Kabanova», in der ich die Kabanicha sang, lud ich alle ein und hielt auch eine kleine Rede. Die Karriereleiter, wollte ich den jungen Kollegen vermitteln, geht nicht stets nach oben – manchmal ist ...

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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Magazin, Seite 103
von Uwe Schweikert

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