In Adornos Gartenlaube

Beglückend scharfsinnig: Schriften und Vorträge des Musikwissenschaftlers Nicolas Schalz

Der Titel gibt die Richtung vor: «Schrei und Utopie» ist der im Wolke Verlag erschienene Band überschrieben, der – pünktlich zu dessen 80. Geburtstag – Essays von Nicolas Schalz aus den vergangenen 40 Jahren bündelt.

In seiner Kontrastbildung verweist dieser Titel auf den dialektischen Grundansatz, dem das Denken des emeritierten Professors der Hochschule für Künste Bremen über Musik und Musikgeschichte verpflichtet ist; jenem auf Hegel fußenden Widerspruchsgeist, der doch stets bemüht ist, das Ganze als das Wahre und das Wahre als das Ganze zu begreifen und, wie Herausgeber Tobias Klich im Vorwort notiert, «zum Leitmotiv im Aufspüren der Modernität von Musik unabhängig von ihrer jeweiligen Entstehungszeit» wird.

Was zunächst frappiert, ist das enorme Spektrum der behandelten Themen und Topoi, die durchgängig aus der Perspektive einer «Dialektik von Erinnern und Vergessen» betrachtet werden. Was an «Alter Musik», fragt der luxemburgische Musikologe einführend, «wird in Neues übernommen, was wird vergessen oder bleibt außen vor? Warum diese Implantation eines Gewesenen in das Gegenwärtige? Wie wird sie realisiert»? Um diese Fragen zu beantworten, spannt der Autor einen weiten ...

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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 52
von Jürgen Otten