Vorher, nachher
Seit 2016 zeigt die wiederhergestellte New York City Opera im «Pride»-Monat Juni thematisch passende Bühnenwerke. Dieses Jahr feierte die LGBTQ-Szene mit mannigfaltigen Veranstaltungen den 50. Jahrestag des Aufstands gegen gesetzliche Diskriminierung und Polizeiverfolgung bei einer Razzia in der «Stonewall»-Bar – und die NYCO beteiligte sich mit zwei zeitgenössischen Stücken. Auf dem Programm standen Laura Kaminskys «As One» und die Uraufführung von Iain Bells «Stonewall».
«As One», eine Kammeroper über eine Geschlechtsumwandlung, wurde seit ihrer Premiere 2014 schon mehrfach nachgespielt. Das Libretto stammt von Mark Campbell und Transfrau Kimberley Reid, die auch das zugehörige Videomaterial erstellte. Während die Uraufführungsserie an der Brooklyn Academy of Music bleibenden Eindruck hinterließ, wirkt das Stück fünf Jahre später fast ein wenig altmodisch. Der Diskurs hat sich weiterentwickelt, Trumps aggressive Politik schärft das Gespür – plötzlich fehlen dem Libretto Bedeutung und Zwischentöne. Auffällig auch die Tendenz zu Wiederholungen in Kaminskys an sich gefälliger Partitur.
Zu sehen ist in der Merkin Hall des Kaufman Music Center eine Gast-Inszenierung der Chautauqua ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 64
von David Shengold
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Man hört es und fühlt sich sogleich erinnert. Dieser Seufzer! Unzählige Male wurde er in die Welt entsendet, so häufig und so verzweifelt, dass man irgendwann gar nicht anders konnte, als still und leise mitzuseufzen. Auf welchen Wegen aber gelangte dieses Sekundmotiv in ein Stück, das nicht «Pique Dame» heißt und aus der Feder Peter Iljitsch Tschaikowskys stammt?...
Nicht einmal 100 Kilometer sind es von dem nach Adam Mickiewicz, einem der Nationaldichter Polens, benannten Platz im Zentrum von Lviv bis zur Ruine der großen Synagoge in Brody, dem Geburtsort Joseph Roths. Aber mit dem Bus braucht man für die Strecke fast zwei Stunden. Hier, in dem einst durch Handel und Schmuggel prosperierenden Nest an der Grenze zwischen der...
