Understatement
Luigi Dallapiccolas Kurzoper «Il prigioniero» («Der Gefangene»), 1944 unter dem Eindruck des italienischen Faschismus begonnen und 1949 (unter der Leitung Hermann Scherchens) in Turin uraufgeführt, ist neuerdings wieder häufig auf den Spielplänen zu finden. Zuletzt stand das von melismatisch-expressiver Italianità durchsetzte Zwölftonopus in Paris zur Diskussion (kombiniert mit Schönbergs «Ode to Napoleon», siehe OW 6/2008), kurz darauf in Mailand (an der Seite von Bartóks «Blaubart», siehe OW 7/2008).
Doch auch kleinere Häuser, die in der Kategorie «Einakter» einmal anderes als das übliche «Cav»/«Pac»-Doppel anstreben, greifen gern auf Dallapiccolas musiktheatralische Abrechnung mit dem Totalitarismus zurück. Und das nicht selten mit einer ästhetischen Schlüssigkeit, die den Vergleich mit der «großen» Konkurrenz nicht zu scheuen braucht.
Ein Gitterkubus, der in einem leeren Weißraum rotiert – mehr bedarf es an der Oper Halle nicht, um die zur Zeit der spanischen Inquisition angesiedelte Passion auf Leben und Tod zu verorten. Hartmut Schörghofers klinisch reine Bühne ist die Folie für jene perfide Dialektik von Hass und Hoffnung, Folter und Freiheit, die aus jedem Ton, aus jeder ...
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Schon während der Orchestereinleitung, noch bevor Tatjana das erste Mal den Mund öffnet, beschleicht den Zuschauer die Ahnung, dass das, was er in den folgenden drei Stunden zu sehen bekommen wird, nicht viel mit der Geschichte zu tun hat, die Puschkin in seinem realistisch-satirischen «Roman in Versen» erzählt und die von Tschaikowsky in wissentlichem...
Ästhetisch stark geprägte Jahre» habe es zuletzt an der Bayerischen Staatsoper gegeben – in der Ära Sir Peter Jonas –, aber vieles habe hier doch nicht stattgefunden. So sprach der neue Opernmann in München, Staatsintendant Nikolaus Bachler (in einem Interview der Süddeutschen Zeitung). Er scheint sich und seine Musiktheaterarbeit neu definiert zu haben, will in...
Küsse, Bisse, das reimt sich», rechtfertigt sich Kleists Penthesilea. Auch in Rossinis Racine-Adaption «Ermione» wird zwölf Jahre später aus frustrierter Liebe zugebissen. Die Verlobte des Pyrrhus besteht auf Einhaltung des Eheversprechens, obwohl der Sohn des Achill inzwischen Hektors Witwe Andromache nachstellt. Ermione, eine Femme fatale, wie sie im Buche steht,...
