Understatement
Luigi Dallapiccolas Kurzoper «Il prigioniero» («Der Gefangene»), 1944 unter dem Eindruck des italienischen Faschismus begonnen und 1949 (unter der Leitung Hermann Scherchens) in Turin uraufgeführt, ist neuerdings wieder häufig auf den Spielplänen zu finden. Zuletzt stand das von melismatisch-expressiver Italianità durchsetzte Zwölftonopus in Paris zur Diskussion (kombiniert mit Schönbergs «Ode to Napoleon», siehe OW 6/2008), kurz darauf in Mailand (an der Seite von Bartóks «Blaubart», siehe OW 7/2008).
Doch auch kleinere Häuser, die in der Kategorie «Einakter» einmal anderes als das übliche «Cav»/«Pac»-Doppel anstreben, greifen gern auf Dallapiccolas musiktheatralische Abrechnung mit dem Totalitarismus zurück. Und das nicht selten mit einer ästhetischen Schlüssigkeit, die den Vergleich mit der «großen» Konkurrenz nicht zu scheuen braucht.
Ein Gitterkubus, der in einem leeren Weißraum rotiert – mehr bedarf es an der Oper Halle nicht, um die zur Zeit der spanischen Inquisition angesiedelte Passion auf Leben und Tod zu verorten. Hartmut Schörghofers klinisch reine Bühne ist die Folie für jene perfide Dialektik von Hass und Hoffnung, Folter und Freiheit, die aus jedem Ton, aus jeder ...
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John Dews mutiger Versuch, Gustave Charpentiers einst ungeheuer erfolgreiche «Louise» von 1900 zusammen mit ihrer (dramaturgisch und harmonisch) ungleich moderneren Fortsetzung «Julien» (1913) am Dortmunder Theater neu zu entdecken, blieb vor acht Jahren ein Einzelfall – die Vorlieben unserer Ahnen sind eben nur bedingt zu revitalisieren. Im Fall der «Louise» ist...
Opernquerschnitte in deutscher Sprache waren in den Jugendjahren der Langspielplatte Grundbausteine jeder Klassiksammlung. Gesamtaufnahmen konnten sich damals nur die Besserverdienenden leisten, und eine ganze Oper zu hören, ohne auch nur ein Wort zu verstehen, galt den meisten Musikfreunden als snobistisch. So erklärt sich die Fülle von Produktionen, die im Zuge...
«Songs My Mother Taught Me» – der Titel aus den Zigeuner-Melodien von Antonín Dvorák gehört seit Langem zu den Topoi von Primadonnen, die sich scheinbar ganz persönlich und privat an ihre Bewunderer wenden und – im glücklichen Fall – mit einer Kunst verzaubern, die Kunst verbirgt. Es geht dabei um die essenzielle Kunst, eine Melodie zu singen und zum Leben zu...
