Apropos... Kapellmeister

Dirigieren ist vor allem Handwerk, sagt Cornelius Meister. Von seinen Erfahrungen als Korrepetitor und Assistent im Orchestergraben profitiert der Chef des RSO Wien bis heute. Zumal, wenn er, wie an der Wiener Staatsoper, ohne Proben Repertoirevorstellungen leitet.

Herr Meister, Sie sind Chefdirigent des RSO Wien. Musikchefs sind in  Wien rar. Werden Sie am Karlsplatz schon auf Händen getragen?
Nicht, dass ich wüsste ... Obwohl: Ich bin mal kurz hintereinander mit demselben Wiener Taxifahrer gefahren. Als ich ihn auch beim zweiten Mal bat, die Musik im Radio abzuschalten, meinte er: «Ach ja, ich erinnere mich: Sie sind doch derjenige, der keine Musik mag.»

Das RSO Wien, das Sie jetzt bei der «Peter Grimes»-Premiere im Theater an der Wien dirigieren, ist vielleicht das zuverlässigste Orchester Wiens.

Es wird dort aber gern unterschätzt. Warum?
Zum einen wurde das Orchester erst nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet. Wir haben keine k. u. k.-Vergangenheit. Und: Das RSO geriet in den letzten Jahrzehnten immer wieder in finanziell heikle Situationen. Anders gesagt: Das RSO muss jeden Abend hervorragend spielen, um seine Daseinsberechtigung unter Beweis zu stellen.

Als Sie 2005 nach Heidelberg kamen, waren Sie der jüngste GMD Deutschlands. Sie stehen für das, was man eine Kapellmeister-Laufbahn nennt. Was bedeutet das eigentlich?
Es bedeutet, dass ich an einem Opernhaus als Korrepetitor angefangen habe und die Ausbildung zum Dirigenten als Handwerk im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Kai Luehrs-Kaiser

Weitere Beiträge
Glück auf dem Teller

Für große Inszenierungen braucht es keine großen Bühnen. Ein Mann steht hinterm Herd, schwarzes T-Shirt, Schürze. Konzentriert schneidet er am Gemüse. Schnitt für Schnitt verwandelt er gelbe Karotten in elegante Würfel, und wie er das macht, ist ein kleines Kunststück: Jede Bewegung scheint bedächtig, fast ein chirurgischer Schnitt, aber das Ergebnis ist der Beweis...

Facetten des Wartens

Eine Dramaturgie der feinen Art: Intendant Marc Clemeur bezieht an der Opéra du Rhin «Ariane et Barbe-Bleu» von Dukas (siehe OW 6/2015) auf Faurés wenig später entstandene «Pénélope» und gibt sie demselben Regisseur. So entsteht ein ungewöhnliches Diptychon: zwei Opern, die Opernhaftes hinter sich lassen, sich introvertiert geben und doch auf ehrgeizige Weise...

Mit Schirm, Schwarm und Melone

Magisch flirren kann der Beginn des «Lohengrin», flageolettfarbene Sphärenmusik sein. In Bern geht das erst mal schief – weil eine der Violinen um Haaresbreite danebenliegt. Erst als die Holzbläser und die tiefen Streicher den Klang grundieren, erfasst ein Sehnsuchtssog das Orchester wie eine geheime Tiefenströmung. Mario Venzago kann das, kein Zweifel. Der Chef...