Travestie-Revue

Kreisler: Sissy BREMEN | THEATER

Opernwelt - Logo

Ich wär’ so gern einmal verliebt», «Dein Kuss hat mir den Frühling gebracht», «Die Liebe kommt, die Liebe geht»: Ein musikalischer Ohrwurm reiht sich an den nächsten in Fritz Kreislers Operetten-Singspiel «Sissy». Dazu zwei junge Paare, die erst nach manchen Intrigen und Verwirrungen zueinander finden, bayrische und österreichische Charaktertypen, ein bisserl Wehmut, ein bisserl Humor - das alles verspricht Operetten-Seligkeit pur. Könnte man meinen.

In Bremen aber, wo man das 1932 im Theater an der Wien uraufgeführte und heute nur selten gespielte Werk jetzt wiederentdeckte, ist alles anders: Da singt die Sissy Bariton, ihre resolute Mutter Ludovika wird von einem Bass verkörpert, den jungen österreichischen Kaiser Franz Joseph stellt eine Schauspielerin dar, und im Hintergrund wirkt – der Programmzettel verrät es – ein Queer-Dramaturg. Regisseur Frank Hilbrich hat offenbar keine Ideen und keine Mühen gescheut, das Werk gründlich umzukrempeln.

Man kann ihn verstehen, denn das Stück reizt dazu. Mag es zu seiner Entstehungszeit auch noch so sehr den Publikumsgeschmack getroffen haben (wovon 289 En-Suite-Aufführungen der Uraufführungsproduktion Zeugnis ablegen) – als Ganzes bleibt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Gerhart Asche

Weitere Beiträge
Personalien, Meldungen 2/26

Jubilare
90 Jahre alt wird der niederländische Bassbariton Max van Egmond. Nach seinem Gesangsstudium in Hilversum wurde van Egmond Mitglied der Niederländischen Bachgesellschaft und wirkte ab 1965 in den Gesamtaufnahmen der Vokalwerke Bachs durch Gustav Leonhardt, Nikolaus Harnoncourt und Frans Brüggen mit. Sechs Jahre zuvor hatte er den Gesangswettbewerb von...

Aristokratische Revoluzzerin

Lauscht man allein den einzelnen Da- capo-Arien der einzigen Oper dieser Komponistin im Nebenberuf, staunt man über die handwerkliche Kunstfertigkeit, das kundige Abrufen der Affekttypen, die gelehrte Erfüllung der Form: Wilhelmine von Preußen (oder auch: Wilhelmine von Bayreuth) erweist sich anno 1740 auf der Höhe Händels. Zwischen den Zeilen aber und dennoch...

Kunst und Begehren

Ich formte sie, ich bildete sie, ich löste ihr die Seele und Zunge […] sie war mein Geschöpf», das stammelt der unter Mordverdacht stehende Gesangslehrer Maestro Salvatore in der frenetischen Gerichtsszene ohne Richter, mit der unvermittelt Peter Ronnefelds Oper «Die Ameise» beginnt. Das Publikum, staccato im respondierenden Doppelchor, führt sich als die...