Apokalypse light?
Vor genau 50 Jahren erschienen zwei Interpretationen von Mozarts «Don Giovanni», die manche Vernetzungen zutage förderten: Otto Klemperers Londoner Schallplatten-Gesamtaufnahme (EMI/Warner) und Walter Felsensteins Inszenierung zur Wiedereröffnung der Komischen Oper – an der beide 1949 mit «Carmen» einen neuen Begriff von «Musik-Theater» lanciert hatten. Danach schworen sie freilich: nie wieder zusammen! Klemperer war schon 1927 zum «Führer des modernen Operntheaters» ernannt worden, nach einer Wiesbadener «Don Giovanni»-Premiere.
Doch die «Oper aller Opern» hat Klemperer sein Leben lang begleitet, beginnend mit seiner Förderung durch Gustav Mahler, dessen Wiener Aufführungen er rühmte. Zumal dieser, schon dem Vorbild Mozarts folgend, auf die «ultima scena», den Sextett-Epilog der Überlebenden, verzichtete: Göttliches Strafgericht und Höllensturz sollten das letzte Wort behalten.
Gleichwohl ist man beim quasi Doppel-Finale in einem Dilemma: Soll man, soll man nicht? Soll man mit der Apokalypse enden oder mit dem Kehraus? Bedeutungsträchtige romantische Tradition setzte auf die d-Moll-Tragödie. In nicht wenigen jüngeren Interpretationen wird auch das Buffa-Getriebe ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Gerhard R. Koch
Tradition sei nicht die Anbetung der Asche, sondern die Weitergabe des Feuers, hatte Gustav Mahler sich erhitzt. Mit ruhigerem Puls und wortreicher, aber sonst völlig d'accord formulierte es einmal Luciano Berio im Interview für diese Zeitschrift: «Ich habe immer daran geglaubt, dass die Zukunft sich nur aus der Vergangenheit entwickeln kann. Im...
Als «rätselhaftes Kindvolk, das immer übergroß sein will, während es den Rest der Welt in Grund und Boden grinst» hat Peter Sloterdijk (etwas hochmütig?) die Amerikaner apostrophiert. Das passt genau auf die Legende vom kraftmeiernden, zugleich gutmütig-verschmitzten Riesen Paul Bunyan, der mythischen Figur eines Holzfällers aus den Wäldern Minnesotas – Symbol...
Wahre Kunst, schreibt Siri Hustvedt in einem ihrer Essays, hat die Eigenschaft, uns nervös zu machen; im positiven Sinn. Will man die Kunst Gwyneth Jones’ beschreiben, liegt man mit dieser Sentenz wohl nicht ganz falsch. Wenn die walisische Sopranistin die Bühne betrat, wurde der Zuschauer festgehalten, gebannt, zuweilen gar geblendet. Nicht erst, als sie die...
