Annus horribilis
Geplant war der Aufbruch, die so PR-trächtige wie riskante Befreiungsaktion mit einem unbeleckten «Ring»-Team. Doch nun ist es ein Annus horribilis. Nicht nur, dass es 2020 keine Bayreuther Festspiele gibt, bis auf Weiteres ist der Hügel führungslos, verwaltet von Hans-Dieter Sense (81), schon zwischen 2013 und 2016 als Geschäftsführer aktiv, und dessen Nachfolger Holger von Berg. An welcher Krankheit Katharina Wagner leidet, war bis Drucklegung dieser Ausgabe nicht bekannt. Es muss eine sehr schwere sein, alle Anzeichen deuten darauf hin. Bayreuth verpanzert sich.
Was bleibt, ist eine Art Kreml-Astrologie – das war schon unter Wolfgang Wagner so, jetzt ist es auch gerechtfertigt: Über zutiefst Persönliches muss die Öffentlichkeit nichts erfahren.
Dabei hatte Katharina Wagner gerade Tritt gefasst. Nach einigen Anläufen, Fehlschläge inklusive, gelang die vorsichtige Öffnung. Und der Spagat: Traditionalisten werden mit Christian Thielemann weiter auf den Hügel gelockt, auch mit inhaltsarmen Schauwerten wie dem «Lohengrin». Nach dem Abgang von Eva Wagner-Pasquier besserten sich die Besetzungen erheblich. Und doch wird von Reibungen erzählt, mit Thielemann, mit von Berg, mit einer ...
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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Markus Thiel
Frau Carp, am 22. April haben der Aufsichtsrat und dessen Vorsitzende, die nordrhein-westfälische Kultusministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen, die Ruhrtriennale abgesagt – auch unter Hinweis auf den Beschluss von Bund und Ländern, Großveranstaltungen bis zum 31. August auszusetzen. Die Ruhrtriennale hätte am 14. August angefangen und bis Mitte September gedauert....
Was wir uns sparen können: die immer schon merkwürdige Diskussion, ob die Theater leer bleiben, wenn, was auf den Bühnen geschieht, im Netz zu sehen ist. «Video Killed the Radio Star» – das war schon 1979 falsch, als The Buggles damit ihr One-Hit-Wonder hatten. Nicht dass es in der Mediengeschichte keine Untergänge gäbe, doch die Sorge, dass die Orte verwaisen...
Den Namen Antonio Draghi (1634–1700) nie gehört zu haben, ist keine Schande – und nach dieser Ausgrabung darf man ihn auch sogleich wieder vergessen. Der Italiener kam 1658 als Bassist nach Wien und machte dort als Sänger, Librettist, Komponist, Opernintendant und schließlich seit 1682 als Hofkapellmeister des selbst komponierenden Kaisers Leopold I. Karriere....
