Annus horribilis

Abbruch und Rückzug: Festspieldrama in Bayreuth

Opernwelt - Logo

Geplant war der Aufbruch, die so PR-trächtige wie riskante Befreiungsaktion mit einem unbeleckten «Ring»-Team. Doch nun ist es ein Annus horribilis. Nicht nur, dass es 2020 keine Bayreuther Festspiele gibt, bis auf Weiteres ist der Hügel führungslos, verwaltet von Hans-Dieter Sense (81), schon zwischen 2013 und 2016 als Geschäftsführer aktiv, und dessen Nachfolger Holger von Berg. An welcher Krankheit Katharina Wagner leidet, war bis Drucklegung dieser Ausgabe nicht bekannt. Es muss eine sehr schwere sein, alle Anzeichen deuten darauf hin. Bayreuth verpanzert sich.

Was bleibt, ist eine Art Kreml-Astrologie – das war schon unter Wolfgang Wagner so, jetzt ist es auch gerechtfertigt: Über zutiefst Persönliches muss die Öffentlichkeit nichts erfahren.

Dabei hatte Katharina Wagner gerade Tritt gefasst. Nach einigen Anläufen, Fehlschläge inklusive, gelang die vorsichtige Öffnung. Und der Spagat: Traditionalisten werden mit Christian Thielemann weiter auf den Hügel gelockt, auch mit inhaltsarmen Schauwerten wie dem «Lohengrin». Nach dem Abgang von Eva Wagner-Pasquier besserten sich die Besetzungen erheblich. Und doch wird von Reibungen erzählt, mit Thielemann, mit von Berg, mit einer ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Magazin, Seite 59
von Markus Thiel

Weitere Beiträge
Frauenbilder

Wer war sie eigentlich? Jene «unsterbliche Geliebte», die «angedachte Empfängerin eines der … berühmtesten … Briefe der Sentimental-Historie», wie der Autor Otto Brusatti das Schreiben in «Die 11 Begierden des Herrn Ludwig van» charakterisiert. War es Josephine Brunswick, Witwe und betriebsame Gefährtin zahlreicher Männer, mit der Beethoven angeblich ebenfalls ein...

Warum nicht mit Maske singen?

Im April wurde das Italienische Kulturinstitut in Stockholm Schauplatz eines ungewöhnlichen Experiments. Im hauseigenen Kino zeigte man eine Aufzeichnung vom Rossini-Opernfestival 2010 in Pesaro («Sigismondo») – für jeweils eine einzige Person. Den Glücklichen, per Los ausgewählt, wurde Kaffee und, im Einklang mit aktuellen Hygiene-Vorschriften, sorgsam...

Was kommt... Juni 2020

Entschleunigung
Die Frage steht im Raum: Wie wirkt sich die durch Corona erzwungene Entschleunigung des Lebens auf unsere Event-durchflutete Gesellschaft aus? Was bedeuten die weit-reichenden Notstandsverordnungen für die Kultur und ihre Triebkräfte – die Künstler? Überlegungen des Philosophen und Soziologen Christoph Türcke sowie des Juristen und passionierten...