Mythologischer Obstsalat
Den Namen Antonio Draghi (1634–1700) nie gehört zu haben, ist keine Schande – und nach dieser Ausgrabung darf man ihn auch sogleich wieder vergessen. Der Italiener kam 1658 als Bassist nach Wien und machte dort als Sänger, Librettist, Komponist, Opernintendant und schließlich seit 1682 als Hofkapellmeister des selbst komponierenden Kaisers Leopold I. Karriere.
Seine Bühnenwerke und Oratorien waren gründlich vergessen, bis der argentinische Dirigent Leonardo García Alarcón im Zuge seiner Beschäftigung mit den Opern Cavallis auf Draghis 1669 entstandenen «El Prometeo» stieß, das Stück dem 350-jährigen Wiener Archivschlaf entriss, die verlorene Musik des dritten Akts neu komponierte und das Werk in dieser Form im Juni 2018 an der Opéra de Dijon erstmals wieder aufführte. Der jetzt beim französischen Label Alpha erschienene Mitschnitt lässt allerdings am Sinn dieses Unternehmens zweifeln.
Der mit einem spanischen Text überlieferte «Prometeo» ist der spanischen Königin María Ana, einer gebürtigen Habsburgerprinzessin, gewidmet, war ursprünglich aber gewiss auf Italienisch vertont. Mit spanischer Musik hat die Oper nichts zu tun. Den tänzerisch schwungvollen spanischen Anstrich mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Uwe Schweikert
61. Jahrgang, Nr 6
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752334
REDAKTION OPERNWELT
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de
REDAKTION
Jürgen Otten (V. i. S. d. P.)
Albrecht Thiemann
REDAKTIONSBÜRO
Andrea Kaiser | redaktion...
Mit der «Originalität» von Kunstwerken ist es so eine Sache. Jedenfalls, wenn darunter etwas Solitäres, ein aus Geschichte und Kontext herausgesprengter Geniestreich verstanden wird, finite Setzung eines autonomen Schöpfergeistes. Werke – das waren für Luciano Berio keine ein für allemal in Stein gemeißelten Monumente, sondern offene Gebilde, Organismen mit...
Die jüngste Produktion des Theaters für Niedersachsen musste unmittelbar vor der Premiere abgesagt werden. Ein ehrgeiziges Projekt: Die Barockspezialistin Sigrid T’Hooft hatte für Hildesheim Reinhard Keisers «Der hochmütige, gestürzte und wieder erhabene Croesus» inszeniert. Vor wenigen Jahren kursierten noch Schließungsgerüchte um das 600-Plätze-Haus. Dann machte...
