Alles auf dem Schirm
Was wir uns sparen können: die immer schon merkwürdige Diskussion, ob die Theater leer bleiben, wenn, was auf den Bühnen geschieht, im Netz zu sehen ist. «Video Killed the Radio Star» – das war schon 1979 falsch, als The Buggles damit ihr One-Hit-Wonder hatten.
Nicht dass es in der Mediengeschichte keine Untergänge gäbe, doch die Sorge, dass die Orte verwaisen werden, an denen Menschen sich versammeln, um Musik zu hören, Theater, Oper, Tanz zu erleben, weil das Publikum nur noch, vereinzelt und vereinsamt, am heimischen Bildschirm in künstliche Pixel-Paradiese abtaucht, führt in die Irre. Bloß nix streamen, sonst kommt bald keiner mehr – hinter dieser Scheindebatte wesen wohl fundamentalere Ängste vor Wirksamkeitsverlusten. Aber wir müssen sie jetzt nicht führen.
Jetzt, wo alles anders geworden ist, und das in einer Plötzlichkeit, die keiner für möglich gehalten hätte. Die Schauspiel-, Konzert- und Opernhäuser zwangsgeräumt, keine Menschen mehr da, gespenstisch, und es fühlt sich gar nicht wie Ferien an, denn das Gespenstischste ist die Ungewissheit, wie lange das so weitergehen soll. Die (Festspiel-)Absagen gehen gerade in die immer weitere Zukunft voraus, Baden-Baden, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Thema Ästhetische Erfahrung, Seite 39
von Holger Noltze
Die Katastrophe war absehbar. Ignoranz, Inkompetenz, eklatante Versäumnisse, Chaos charakterisieren das Krisenmanagement der amerikanischen Regierung, seit die ersten SARS-CoV-2-Infektionen bekannt wurden. Und Präsident Donald Trump scheint sich nach wie vor mehr um seine Wiederwahl im Herbst als um die Eindämmung einer Pandemie zu sorgen, die zwischen Washington...
Himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. So lässt sich das Wechselbad der Gefühle zusammenfassen, dem ausgeliefert war, wer unlängst das traditionelle Europakonzert der Berliner Philharmoniker verfolgte. Seit drei Jahrzehnten feiert das 1882 gegründete Orchester am 1. Mai mit diesem Konzert Geburtstag – und die Vision eines föderalen Kontinents, der das Gemeinsame...
Im April wurde das Italienische Kulturinstitut in Stockholm Schauplatz eines ungewöhnlichen Experiments. Im hauseigenen Kino zeigte man eine Aufzeichnung vom Rossini-Opernfestival 2010 in Pesaro («Sigismondo») – für jeweils eine einzige Person. Den Glücklichen, per Los ausgewählt, wurde Kaffee und, im Einklang mit aktuellen Hygiene-Vorschriften, sorgsam...
