Alles auf dem Schirm
Was wir uns sparen können: die immer schon merkwürdige Diskussion, ob die Theater leer bleiben, wenn, was auf den Bühnen geschieht, im Netz zu sehen ist. «Video Killed the Radio Star» – das war schon 1979 falsch, als The Buggles damit ihr One-Hit-Wonder hatten.
Nicht dass es in der Mediengeschichte keine Untergänge gäbe, doch die Sorge, dass die Orte verwaisen werden, an denen Menschen sich versammeln, um Musik zu hören, Theater, Oper, Tanz zu erleben, weil das Publikum nur noch, vereinzelt und vereinsamt, am heimischen Bildschirm in künstliche Pixel-Paradiese abtaucht, führt in die Irre. Bloß nix streamen, sonst kommt bald keiner mehr – hinter dieser Scheindebatte wesen wohl fundamentalere Ängste vor Wirksamkeitsverlusten. Aber wir müssen sie jetzt nicht führen.
Jetzt, wo alles anders geworden ist, und das in einer Plötzlichkeit, die keiner für möglich gehalten hätte. Die Schauspiel-, Konzert- und Opernhäuser zwangsgeräumt, keine Menschen mehr da, gespenstisch, und es fühlt sich gar nicht wie Ferien an, denn das Gespenstischste ist die Ungewissheit, wie lange das so weitergehen soll. Die (Festspiel-)Absagen gehen gerade in die immer weitere Zukunft voraus, Baden-Baden, ...
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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Thema Ästhetische Erfahrung, Seite 39
von Holger Noltze
Die Titel-Nummer steht am Ende: «Morgen» nennt die französisch-dänische Sopranistin Elsa Dreisig ihr neues Album nach dem Lied von Richard Strauss (aus op. 27). Das Lied erklingt nach jenem, dem tröstenden Lerchenabgesang zum Trotz doch sehr im Vagen (Elysium? Nirvana? Nichts?) verbleibenden «Im Abendrot» aus den «Vier letzten Liedern». Die Zeile «Und morgen wird...
Schier endlos ist über die Oper nachgedacht worden, über jenes «unmögliche Kunstwerk», von dem vor mehr als einem Jahrhundert Oscar Bie, der originelle Musikschriftsteller und -kritiker, gesprochen hat, in seinem schlicht mit «Die Oper» betitelten Buch von 1913. Es scheint so, als ob man mit der Arbeit an der Oper und der Reflexion über ihr Wesen und ihre...
Kate Lindsey, Anfang März standen Sie noch als Nero auf der Bühne der Met. Wo sind Sie gerade?
Zu Hause in Brighton, zum Glück. Die «Agrippina» war am 7. März abgespielt, am 12. stellte das Haus den Betrieb ein. Mein Mann und ich wollten eigentlich in den USA bleiben, weil drei Wochen später schon die Proben für «Pelléas et Mélisande» in Los Angeles losgehen...
