Am Puls der Zeit
Alte und neue Musik begegnen sich im Konzertsaal selten. Zu verschieden sind die interpretatorischen, gar instrumentalen Voraussetzungen, die einem solchen Brückenschlag im Weg stehen. Umso spannender, wenn es doch geschieht, wie jetzt auf zwei CD-Neuerscheinungen, die extremer, kontroverser nicht sein könnten.
Beide Male sind es «Überzeugungstäter», die den Spagat wagen – die von Walter Nußbaum 1992 gegründete Schola Heidelberg, die sich vor allem mit Uraufführungen experimenteller Vokalmusik einen Namen gemacht hat, und das 2019 in Berlin gegründete solistische Vokalensemble «The Present», das gleich in seiner ersten CD die Stilgrenzen aushebelt. In deren Zentrum stehen doppelchörige Psalmvertonungen und virtuose Solomotetten der Mailänder Nonne Chiara Margarita Cozzolani (1602–1676/78), die zwischen 1640 und 1650 vier Sammeldrucke veröffentlichte. Wie schon ältere Einspielungen ordnet auch das aus je vier Sängerinnen und Sängern bestehende Ensemble «The Present» sie zu einer Art Marien-Vesper – einer explizit feministischen Marienfeier, die die Geburt als den Anfang allen Lebens preist und darum den programmatischen Titel «Ex utero» trägt. Der affektive musikalische Frühbarock ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 24
von Uwe Schweikert
Heinrich August Marschner, wiewohl ein Komponist der zweiten Reihe, nimmt in der Operngeschichte eine bemerkenswerte Sonderstellung ein. Von der Musikwissenschaft wird er gern als «missing link» zwischen Weber und Wagner tituliert, und unter seinen 15 vollendeten Bühnenwerken gilt «Der Vampyr», 1828 am Theater Leipzig uraufgeführt, als stilistisches Bindeglied...
Herr Köhler, ein Kritikerkollege aus dem Schauspiel hat Sie einmal einen «Theatermacher essenzieller Zeichen» genannt. Haben Sie eine Ahnung, was er damit sagen wollte?
Es ist immer schwer, so etwas selbst einzuschätzen. Aber in meiner Auseinandersetzung mit den Stücken geht es nie um Zeichen – es beginnt immer mit dem Konzept. Sowohl im Schauspiel als auch in der...
Lange wurde Georg Friedrich Händel verwöhnt von den Erfolgen, die ihm seine Wahlheimat London bescherte. Der wuchtige Hallenser, seit 1727 britischer Staatsbürger, hatte das Opernleben auf der Insel dominiert. Seine Royal Academy of Music sorgte durch den Starsänger Senesino sowie zwei konkurrierende Primadonnen für Furore – Francesca Cuzzoni und Faustina Bordoni...
