Kulturverdächtig
Zwei Fragen: Darf man das? Und die weit entscheidendere: Geht es auf? Ein paar Operationen en miniature sind dafür notwendig, die Eliminierung weiblicher Wortformen, vor allem die einer ganzen Figur. Arturo, Pflichtgatte von Lucia di Lammermoor und ohnehin kaum mehr als tenoraler Stichwortgeber, heißt jetzt Emilia und wird gesungen von der Mezzosopranistin Sara Šetar. Die Hauptperson bleibt, wurde jedoch verwandelt. Tragischer Held am Staatstheater Nürnberg ist nun Luca, ein homosexueller Twen, den Familie und Freunde zur Hetero-Hochzeit zwingen wollen.
Doch der hängt lieber mit queeren Freunden im Jugendzimmer ab und leistet sich mit Edgardo einen gleichaltrigen Lover.
Regisseurin Ilaria Lanzino hat Donizettis Oper, das ist das kleine große Wunder dieser Produktion, auf links gekrempelt, aber in keinem Takt verraten. Die Kraftfelder und Konstellationen zwischen verbotener Liebe und borniertem Umfeld, zwischen Neigung und Pflicht bleiben nicht nur vollumfänglich erhalten: Es ist verblüffend und schlüssig, wie hier, fernab von jeder billigen Christopher-Street-Day-Kopie oder bemühter Gender-Debatten, der Belcanto ins Heute geholt wird. Schon in der Entstehungszeit begriff man ja ...
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Opernwelt Januar 2024
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Markus Thiel
Der Anfang ist magisch. Als Bild, als Klangereignis. Im leicht erhöhten Graben erklingt das A-Dur-Vorspiel als genau das, was sein Schöpfer in ihm sah, als «symphonisches Gedicht» in himmels -ätherischem Blau (so man, wie Richard Wagner, zumindest im Fall von «Lohengrin» ein Anhänger der Synästhesie ist), und auf der riesigen Lamellenwand, die sich über die gesamte...
Angels and ministers of grace defend us»: Das ist zwar nicht aus «Macbeth», sondern aus «Hamlet», aber doch eines jener Shakespeare-Zitate, mit denen das englischsprachige Theatervolk den Fluch des unaussprechlichen «Scottish Play» zu neutralisieren trachtet. Es ist natürlich reiner Zufall, dass dem Grazer Macbeth Mikołaj Zalasiński bei der Premiere von Beginn an...
ML = Musikalische Leitung I = Inszenierung B = Bühnenbild K = Kostüme C = Chor S = Solisten UA = Uraufführung
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