Allzu abstrakt
Dieses Ende frappiert: Statt Liebesfeuer gibt es eine eiskalte Dusche: Wo Puccini Gefühlsexplosionen zünden wollte, setzt in Valentin Schwarz’ Darmstädter «Turandot»-Inszenierung prasselnder Regen ein. Und die Aufführung endet genau dort, wo die originale Komposition abbricht. Bis zu seinem Tod hatte Puccini mit dem Finale gerungen. Doch eine Conclusio, die den Prinzen Calaf und die männermordende Turandot in erlösendem Liebesglück miteinander vereinen würde, wollte ihm einfach nicht gelingen. Das Werk blieb Fragment.
Schwarz verzichtet nun auf das nachträglich komponierte lieto fine des Puccini-Schülers Franco Alfano ebenso wie auf die attraktiv-verschattete Finalversion von Luciano Berio aus dem Jahr 2002. Mit Blick auf jene dunkle Sackgasse, in die der Komponist in seinem vergeblichen Bemühen geraten war, die Oper fertigzustellen, erscheint die Entscheidung durchaus plausibel. Allerdings bringt die entstandene Leerstelle die Statik des Librettos erheblich ins Wanken.
Um dem Torso dramaturgisch auf die Sprünge zu helfen, setzt der österreichische Jung-Regisseur neue Schwerpunkte. Nicht auf Turandot lenkt er den Fokus, sondern auf (den ihr verfallenen) Calaf. Die Inszenierung ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Silvia Adler
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