Alltag im Ausnahmezustand
Porridge gehört zu den wenigen Lebensmitteln, die im Moment schwer zu kriegen und rationiert sind in britischen Supermärkten: Offenbar hamstert die Bevölkerung für eventuelle Engpässe fleißig Haferflocken. Mit gutem Grund. Porridge ist der reinste Krisenklassiker, hat sich – sehr günstig, sehr haltbar – schon in der Vergangenheit bewährt.
Viel zu häufig wurde die Grütze zum Beispiel während des Zweiten Weltkriegs in den Lagern auf der Isle of Man ausgegeben, wo man deutsche und österreichische Immigranten als potenzielle enemy aliens internierte, inklusive der jüdischen Flüchtlinge. Unter den Insassen waren viele Akademiker und Künstler – der Maler Kurt Schwitters zum Beispiel oder der Komponist Hans Gál –, sie stellten ein umfangreiches Bildungs- und Kulturprogramm auf die Beine.
Zu den besonders Ehrgeizigen gehörte der Regisseur Georg M. Höllering, einst Co-Produzent des Films «Kuhle Wampe» (1932), an dessen Drehbuch Bertolt Brecht mitgearbeitet hatte. Höllering erkannte das komische Potenzial des Lagerkollers und setzte sich in den Kopf, eine Revue über den Alltag im Ausnahmezustand zu schreiben. Nummern zum Schlangestehen plante er, zu den Bemühungen der Internierten, sich fit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Wiebke Roloff Halsey
Was wir uns sparen können: die immer schon merkwürdige Diskussion, ob die Theater leer bleiben, wenn, was auf den Bühnen geschieht, im Netz zu sehen ist. «Video Killed the Radio Star» – das war schon 1979 falsch, als The Buggles damit ihr One-Hit-Wonder hatten. Nicht dass es in der Mediengeschichte keine Untergänge gäbe, doch die Sorge, dass die Orte verwaisen...
Geplant war der Aufbruch, die so PR-trächtige wie riskante Befreiungsaktion mit einem unbeleckten «Ring»-Team. Doch nun ist es ein Annus horribilis. Nicht nur, dass es 2020 keine Bayreuther Festspiele gibt, bis auf Weiteres ist der Hügel führungslos, verwaltet von Hans-Dieter Sense (81), schon zwischen 2013 und 2016 als Geschäftsführer aktiv, und dessen Nachfolger...
Das Offenbach-Jahr 2019 verlief enttäuschend. Im Nachhinein gewinnt man den Eindruck, dass alle bereits für das BTHVN-Jubiläum tief Luft holten. Auch die Palazzetto-Bru-Zane-Stiftung bekleckerte sich mit der in ihrer CD-Buch-Serie «Opéra français» erschienenen Neuaufnahme von «La Périchole» nicht gerade mit Ruhm (siehe OW 11/2019). Mit der Erstaufnahme der...
