Interpretieren heißt übersetzen
Schier endlos ist über die Oper nachgedacht worden, über jenes «unmögliche Kunstwerk», von dem vor mehr als einem Jahrhundert Oscar Bie, der originelle Musikschriftsteller und -kritiker, gesprochen hat, in seinem schlicht mit «Die Oper» betitelten Buch von 1913. Es scheint so, als ob man mit der Arbeit an der Oper und der Reflexion über ihr Wesen und ihre Phänomene niemals fertig wird.
Zu beklagen ist dies freilich nicht, zeigt sich doch darin die unveränderte Faszination dieser immens gestalt- und facettenreichen Kunstform, die in Geschichte und Gegenwart so wirkungsmächtig war und ist wie kaum etwas sonst in der Welt der Kultur. Sergio Morabito, der gemeinsam mit Jossi Wieler über nunmehr 25 Jahre an der Stuttgarter Staatsoper und anderswo eine Vielzahl von national wie international stark beachteten Inszenierungen als Dramaturg und Co-Regisseur konzipiert und betreut hat, lässt in seinem Buch «Opernarbeit» genau diese Momente aufscheinen – das Wunder, wenn ein Werk, durch die notenschriftlich fixierte Partitur und das darin integrierte Libretto an die Hand gegeben, in die Theaterwirklichkeit überführt wird.
Eine Fundgrube von Ideen und Einsichten bieten diese Texte, die sich ...
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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Detlef Giese
Geplant war der Aufbruch, die so PR-trächtige wie riskante Befreiungsaktion mit einem unbeleckten «Ring»-Team. Doch nun ist es ein Annus horribilis. Nicht nur, dass es 2020 keine Bayreuther Festspiele gibt, bis auf Weiteres ist der Hügel führungslos, verwaltet von Hans-Dieter Sense (81), schon zwischen 2013 und 2016 als Geschäftsführer aktiv, und dessen Nachfolger...
O Moon, please stay with me ...
Tatjana Gürbaca
Gestern habe ich die schrecklichen Bilder aus Italien in den Nachrichten gesehen: Tote, die in einem Konvoi von Militärfahrzeugen abtransportiert werden, Krankenhauspersonal, das an der Grenze seiner Belastbarkeit berichtet, dass nun entschieden werden muss, wessen Leben gerettet werden kann.
Als wir im Februar...
Im April wurde das Italienische Kulturinstitut in Stockholm Schauplatz eines ungewöhnlichen Experiments. Im hauseigenen Kino zeigte man eine Aufzeichnung vom Rossini-Opernfestival 2010 in Pesaro («Sigismondo») – für jeweils eine einzige Person. Den Glücklichen, per Los ausgewählt, wurde Kaffee und, im Einklang mit aktuellen Hygiene-Vorschriften, sorgsam...
