Alles zu seiner Zeit

Zur Oper hat sie spät gefunden. Was zu einer Sopranistin passt, die sich Neues langsam, durch eindringliches Abwägen und Fragen erarbeitet. Inzwischen ist AGNETA EICHENHOLZ so etwas wie eine Muse des Regisseurs Christof Loy geworden. Mit ihm hat die Schwedin eigenwillige, unverwechselbare Rollenprofile von kühler, reflektierter Intensität entwickelt. Loy war es auch, der 2009 jene Londoner «Lulu» inszenierte, die ihr den Durchbruch bescherte

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Gerade haben Sie mit der «Idomeneo»-Elettra Ihrem Repertoire eine neue Rolle hinzugefügt. Wie gehen Sie mit so einem Charakter um? Versuchen Sie, Verständnis für die Figur zu entwickeln?
Eigentlich kann ich sie nicht verstehen. Elettra ist voller Rachegefühle, und in meinem normalen Leben spielen Zorn und Rache keine Rolle. Sie hat aber eben deshalb sehr klare Konturen, das macht es eher leicht, sie zu spielen. ­Allerdings darf man nicht bei der Raserei stehen bleiben. Die Partie wäre langweilig, wenn man sie auf einen einzigen Aspekt reduzierte.

Für das Publikum wie für einen selbst.

Brauchen Sie lange, um sich einer neuen Rolle zu nähern?

Das ist unterschiedlich. Ich habe ja relativ spät mit dem Singen begonnen. Zunächst übernahm ich eher lyrische Rollen, jetzt, nach zehn Jahren, wird es ein bisschen dramatischer. Gerade passiert da unheimlich viel, es ist irgendwie verrückt. Ich komme mir manchmal vor, als ob mein Kopf kurz vor dem Zerspringen ist. Deshalb bin ich froh, zu Mozart zurückkehren zu können. Elettra ist schwer zu singen, aber – bei allem Respekt – nicht so schwer zu lernen. Auch, weil mir schnell klar wurde, was ich mit dieser Rolle anstellen will. In gewisser Hinsicht ...

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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Interview, Seite 36
von Markus Thiel

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