Frühling auf französisch
Aufgrund welcher Verkettungen und Missionen die «Decca» – opernaktiv sonst nur im Bereich Alter Musik und für Cecilia Bartoli – bei «L’Aiglon» sogar ein Label-Debüt von Operndirigent Kent Nagano arrangierte, gibt Rätsel auf. Man könnte es als Naganos Operetten-Debüt betrachten: «L’Aiglon», komponiert 1937 als Gemeinschaftsarbeit von Arthur Honegger und Jacques Ibert, ähnelt durchaus historisch ausgeschmückten Operetten à la «Madame Pompadour» oder «Die Dubarry» – hier mit obligatem Tanzgastspiel von Fanny Elssler.
Hinter dem jungen Adler (Aiglon) verbirgt sich der juvenile Napoléon II., also Napoleon Franz Bonaparte, legitimer Thronfolger aus der zweiten Ehe des Imperators mit Marie-Louise von Österreich. Den Herzog von Reichstadt porträtierte schon das zugrundeliegende, höchst erfolgreiche Drama von Edmond Rostand, das es nach der Premiere (1900, mit Sarah Bernhardt in der männlichen Titelrolle) bis an den Broadway schaffte. In Frankreich erinnern sich die Theater immer noch gelegentlich daran.
Die Vertonung des Stoffs kann als weitgehend vergessen gelten. Ein «Großer Querschnitt» auf Vinyl (von 1956) lässt sich kaum noch verifizieren. Über die Art ihrer Zusammenarbeit replizierten ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: CD des Monats, Seite 29
von Kai Luehrs-Kaiser
Zu den Schlüsselwerken von Hans Werner Henzes neuem Vokalstil nach seiner Übersiedlung nach Italien Mitte der 1950er-Jahre gehört die 1958 entstandene «Kammermusik» über Hölderlins Hymne «In lieblicher Bläue» für Tenor, Gitarre, Klarinette, Fagott, Horn und fünf Streicher. Der Komponist beschwört in diesem dreiviertelstündigen Werk, dem er später noch einen...
Die Rolle passt ihr wie ein Handschuh, sagte Jonas Kaufmann kurz vor der Münchner «Manon Lescaut»-Premiere im November 2014, nachdem Anna Netrebko die Titelpartie geschmissen hatte und Kristine Opolais für sie eingesprungen war. Opolais und Kaufmann hatten das vom Abbé Prévost literarisch und von Puccini musikalisch ausgeformte Liebespaar zuvor bereits am Royal...
Die Janácek-Renaissance geht weiter: Seine Opern erobern sich nach und nach den Platz, der ihnen im Repertoire gebührt, und das gilt nicht nur für «Jenufa». Auch kleinere Häuser mischen mit. Selbst vor einem lange als überkompliziert geltenden Stück wie «Die Ausflüge des Herrn Broucek» machen sie nicht mehr halt. Nun hat das Theater Trier sich an die verschachtelte...
