Die letzte Nacht
Es entfaltet Sogwirkung, das Stück über John F. Kennedy, das David T. Little und sein Librettist Royce Vavrek für die Fort Worth Opera geschrieben haben. Umfangreicher und zugleich intimer als der Rockmusik-getränkte Dreiakter «Dog Days» (2012) gibt sich die neue Oper: In «JFK» werfen Little und Vavrek konventionelle Erzählstrukturen über Bord, um die Unerbittlichkeit des Schicksals sowie das Innenleben der Figuren auszuloten.
Schauplatz ist das Hotel in Fort Worth, in dem der US-Präsident und seine Gattin die Nacht vor dem Attentat von Dallas verbringen.
John halluziniert unter dem Einfluss des Morphiums, das er gegen seine Rückenschmerzen einnimmt, und durchlebt seine tiefsten Ängste und Unsicherheiten. Jackie kämpft gegen eigene Dämonen; grübelt über ihre Ehe und betrauert den Verlust zweier ihrer Kinder. Am nächsten Morgen machen John und Jackie sich zur Abfahrt bereit – doch die eigentliche Tragödie spart die Oper aus. Umso eindringlicher vermittelt sich die landesweite Schockstarre nach dem Attentat. Ein zusätzliches Figurenduo verkörpert die Schicksalsmächte, dann ein Zimmermädchen und einen Geheimagenten, schließlich Clara und Henry, ein Paar aus dem Umfeld des ebenfalls ...
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Opernwelt Juni 2016
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Heidi Waleson
Zu den Schlüsselwerken von Hans Werner Henzes neuem Vokalstil nach seiner Übersiedlung nach Italien Mitte der 1950er-Jahre gehört die 1958 entstandene «Kammermusik» über Hölderlins Hymne «In lieblicher Bläue» für Tenor, Gitarre, Klarinette, Fagott, Horn und fünf Streicher. Der Komponist beschwört in diesem dreiviertelstündigen Werk, dem er später noch einen...
Schon vor Wagner taugte der Tod zum Happy End. «Manon Lescaut» von Daniel-François-Esprit Auber – die früheste der drei Abbé Prévost-Vertonungen – bekennt sich trotz tödlichem Ausgang zur Opéra comique. Zu Recht! «Comme un doux rêve», wie ein süßer Traum kommt das Ende der leichtlebigen, operndösig verruchten Titelheldin daher. Aber nur bei Auber.
Dass es seither...
War im 19. Jahrhundert das Kunstlied noch eine jener musikalischen Gattungen, der sich nahezu alle Komponisten mit stetem Eifer und großer Resonanz widmeten, kam es in den 1920er-Jahren zusehends aus der Mode. Der radikale gesellschaftliche Wandel, das Verschwinden des bürgerlichen Salons wie auch der Aufbruch in neue stilistische Sphären jenseits der Romantik...
