Wie aus dem Stilbaukasten
Eigentlich war eine «Orfeo»-Aufnahme mit Rinaldo Alessandrini schon längst fällig: Mit seinen vielfach preisgekrönten Einspielungen der Madrigalbücher und der geistlichen Musik ist der Gründer des Concerto Italiano derzeit die führende Autorität in Sachen Monteverdi. Alessandrinis Weg zu Monteverdi über die Madrigalbücher prägte schon seine zuletzt erschienene, Maßstab setzende «Marienvesper», und auch die Chorpassagen des «Orfeo» klingen bei Alessandrini nicht nach der Geburt der Oper, sondern nach einem Echo des Manierismus.
Mit der ihm eigenen Akribie setzt Alessandrini den «Orfeo» quasi baukastenartig aus den deutlich markierten Teilelementen wie stile recitativo, rappresentativo und narrativo zusammen – wohl keine Aufnahme zeigt deutlicher, was für ein stilistisches Patchwork Monteverdis Meisterwerk tatsächlich ist.
Und wohl kein Orfeo trifft den deklamatorischen Grundton des recitar cantando besser als Furio Zanasi. Victor Torres auf der «Orfeo»-Referenz-Einspielung von Gabriel Garrido (K 617) beispielsweise geht weit opernhafter zu Werke. Wo Torres den leidenden Menschen aus Fleisch und Blut hinstellt, bleibt in der Phrasierung des viel schlanker (und mit fabelhaften ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vor einhundert Jahren stemmte in Trier ein siebenundzwanzigjähriger Kapellmeister fast im Alleingang Wagners «Ring». Der junge Wilde hieß Heinz Tietjen und entfachte als Regisseur und Dirigent in Personalunion an der Mosel ein regelrechtes «Wagner-Fieber», wie die Lokalpresse damals vermerkte. Es war der Startschuss für eine Karriere, die ihn zum preußischen...
629 Jahre nach Christus bricht der junge Mönch Tripitaka von China in den Westen auf, nach Kaschmir, um buddhistische Schriften zu studieren. Tripitakas meisterliche Übersetzungen indischer Lehre entwickeln sich später zu einer wichtigen Säule des chinesischen Buddhismus. Aus diesem historischen Kern entsteht Ende des 16. Jahrhunderts der burleske Roman «Xi You...
Ob «L’Enfant et les Sortilèges», Ravels «Fantaisie lyrique» eine Kinderoper ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Nicht zu Unrecht wird heute vermutet, dass Ravel und seine Textdichterin Colette mit ihrem singenden Hausrat und klagenden Getier um einen künstlerischen Ausdruck rangen, der das Grauen des Ersten Weltkriegs ästhetisch fassen konnte. In der...
