Wie aus dem Stilbaukasten
Eigentlich war eine «Orfeo»-Aufnahme mit Rinaldo Alessandrini schon längst fällig: Mit seinen vielfach preisgekrönten Einspielungen der Madrigalbücher und der geistlichen Musik ist der Gründer des Concerto Italiano derzeit die führende Autorität in Sachen Monteverdi. Alessandrinis Weg zu Monteverdi über die Madrigalbücher prägte schon seine zuletzt erschienene, Maßstab setzende «Marienvesper», und auch die Chorpassagen des «Orfeo» klingen bei Alessandrini nicht nach der Geburt der Oper, sondern nach einem Echo des Manierismus.
Mit der ihm eigenen Akribie setzt Alessandrini den «Orfeo» quasi baukastenartig aus den deutlich markierten Teilelementen wie stile recitativo, rappresentativo und narrativo zusammen – wohl keine Aufnahme zeigt deutlicher, was für ein stilistisches Patchwork Monteverdis Meisterwerk tatsächlich ist.
Und wohl kein Orfeo trifft den deklamatorischen Grundton des recitar cantando besser als Furio Zanasi. Victor Torres auf der «Orfeo»-Referenz-Einspielung von Gabriel Garrido (K 617) beispielsweise geht weit opernhafter zu Werke. Wo Torres den leidenden Menschen aus Fleisch und Blut hinstellt, bleibt in der Phrasierung des viel schlanker (und mit fabelhaften ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ähnelt die Turnhalle mit täuschend echt markiertem Parkettboden, den Mathis Neidhardt für Engelbert Humperdincks «Königskinder» in Zürich ausgelegt hat, nicht dem Klassenzimmer, in dem Peter Konwitschny seinen spektakulären Hamburger «Lohengrin» spielen ließ? Doch ein solches Zitat ist erlaubt, wenn man das Märchen-Libretto der «Königskinder» so gründlich und wach...
Es ist schon verwunderlich, dass über Gottlob Frick, den König der deutschen Bassisten der Nachkriegszeit, bis dato zwar eine Fülle von Einzeldarstellungen existierten, aber keine Biografie zur Verfügung stand. Jetzt allerdings ist dieser Mangel behoben durch den im Stieglitz-Verlag erschienenen Titel «Der Sängerfürst» von Klaus Günther, der zum diesjährigen...
Zur Ouvertüre färbt sich das Bühnenlicht ätherisch blau. Im leichten Dunst entschwebt eine Figur gen Himmel: Lucia. Dann die Überblendung: ein großer, kahler Raum, mit hohem Fenster, in Weiß-Grau gehalten, vor das sich immer wieder schwarze Wände schieben. In der Mitte ein riesiges Bett, in dem Lucia träumt. Von ihrer Kindheit und Jugend, als sie noch mit Puppen...
