Alles Essig
Mit gutem Willen ließe sich sagen: Es war alles so beabsichtigt. Hier der Sänger des Titelhelden, der sich im sehr lyrischen Bereich bewegt und im Angriffsmodus das Florett bevorzugt. Dort der Regisseur mit dem Willen, dem Stück die Machismen auszutreiben. Don Giovanni ist eine Frau – zumindest zeitweise – und dann wieder von ihr besessen. David Hermann hat seinen da Ponte für die Eröffnungspremiere der Münchner Opernfestspiele genau gelesen.
Die Erwähnung von Pluto, vor allem von Proserpina im Final-Quintett, nimmt er zum Anlass fürs Konzept: Die Gattin des Unterweltherrschers darf einmal pro Jahr von der Hölle Urlaub machen und ans Licht. Dort trifft sie ausgerechnet auf den Don und fährt in ihn hinein. Bei diesem fallen prompt die Testosteronwerte, er bewegt sich effeminiert, einmal sogar in Richtung Masetto: «Là ci darem la mano» findet einen ungewohnten Adressaten.
Hübsch ausgedacht ist dies, sogar virtuos durchgeführt, wenn sich Erica D'Amico als stumme Proserpina aus dem Körper Konstantin Krimmels herauszuwinden scheint. Mit dem Liebeswerben Giovannis ist es plötzlich Essig – bis auf eine Ausnahme: Das Ständchen ist ein freier Moment in jeglicher Hinsicht, auch für Krimmel, ...
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Opernwelt August 2025
Rubrik: Panorama, Seite 55
von Markus Thiel
Eigentlich meint es das Schicksal gut mit Atys. Der sanfte, etwas schüchtern-zurückhaltende Jüngling wird geliebt von einer zauberhaften Nymphe. Und da auch Sangaride, die Tochter des Flussgottes Sangare, ihn anbetet, stünde dem Glück der beiden nichts mehr im Weg – wären da nicht jene zwei «Figuren», die ihre emo -tionale Neigung mit dem Besitz der Macht und deren...
Viel sagt der Geist des getöteten Königs nicht in Shakespeares «Hamlet». In drei Szenen tritt Hamlets Vater, der zuvor von seinem Bruder Claudius heimtückisch ermordet wurde, auf, nur in zweien davon erklingt seine Stimme. Und doch ist kaum eine Gestalt – sehen wir einmal von Banquos Wiedergänger in «Macbeth» ab – derart beunruhigend und binnen Sekunden imstande,...
Io moro!», seufzt Sara – und sinkt mit einer lakonischen Orchesterkadenz ohnmächtig zu Boden. Man kann sie verstehen: In Metastasios oft vertontem Oratorienlibretto bleibt der Erzmutter des Volkes Israel wirklich nichts erspart. Und in dieser Produktion des «Isacco» der Komponistin Marianna Martines (1744–1812) noch weniger.
Die Genesis lässt es offen, aber...
